Manche Dinge sprechen für sich selbst... Thu, Jan 22. 2009
Aufweckende Nachrichten.. Wed, Dec 17. 2008
Gerade in den Nachrichten bei RTL gehört:
Der Bericht über die Toten durch Tazerbeschuß in den USA. Nach der Einleitung mit der Totenanzahl führt die Sprecherin weiter "Warum interessiert uns dieses Thema?" Ihre Erklärung: Diese Waffen werden auch in Deutschland und der Schweiz eingeführt...
Gut, daß sie die Antwort dazu gegeben hat! Ich war doch wirklich der irrigen Ansicht, daß getötete Menschen jeden angehen. Daß die Nachrichten über Geschehnisse in der Welt aufklären sollen, umso mehr, wenn diese Unrecht beinhalten. Manchmal passieren mich solche Irrtümer. Gut zu wissen, daß das keinen interessiert, denn es geht ja nur darum, daß wir auch selbst einmal betroffen werden können. Ich werde eifrig die Nachrichten verfolgen, um zu wissen, wann es in Deutschland gefährlich wird. Man muß sich ja nicht unnötig Gedanken machen.
Schöne, heile TV-Welt Sat, Dec 13. 2008
Im Fernsehen ist alles heilbar, wie ich gerade wieder dank Pro7 bestätigt wurde. Ja, tatsächlich! Sogar Syndrome, die nur miß-informierte Ignoranten noch als Krankheiten bezeichnen.
Gerade hatte ich beim Zappen in "Seventeen" reingeschalten. Mir fiel ein Junge auf, der zwar äußerlich durchaus als junger Mann durchging, dessen Stimme aber verdächtig hell war. In dem Drang, meine Vermutung bestätigt zu bekommen, schaute ich den Film weiter. Es brauchte einige Geduld, da das Geheimnis des vermeintlichen Jungen zumindest gegenüber den Figuren erst weit gegen Schluß im wahrsten Sinne 'entblößt' wurde.
Eine interessante Möglichkeit, den Fernsehzuschauer über die heutige Welt aufzuklären und das Ganze mit der erwarteten weich gespülten Sendung zu verbinden. Aber scheinbar glaubten die Macher, ihre Zuschauer vor solchen Fakten beschützen zu müssen.
Mit ein bißchen sozialer Aufbauarbeit wurde nach der Entblößung Verständnis für das Mädchen gezeigt, daß "als Mädchen nicht zurechtkommt und als Junge auch nur Scheiße baut". So traute 'sie' sich denn auch, geschminkt und mit Top auf die Schulparty zu gehen, damit ihr jeder noch akzeptierend applaudieren konnte, und anschließend die Nacht mit dem angehimmelten Mitschüler zu verbringen. So mußte der politisch korrekt auch nicht schwul sein, um auf 'sie' zu stehen.
Immerhin, man bedenke die Vorteile! Gäbe es solche Sendungen
häufiger, wüßten Tausende, daß es ihnen ganz umsonst schlecht geht. Ein
paar aufmunternde Worte und alles vergessen.
Ende gut, alles gut, und wieder eine Seele vor der Hölle gerettet. Danke Pro7.
Warum ich keine Zeitungen lese... Thu, May 22. 2008
Immer wieder stoße ich auf Unverständnis, warum ich keine Zeitungen lese. Die Antwort ist eigentlich ganz einfach:
Süddeutsche Zeitung, Titelblatt 14. Mai 08: "18.000 Verschüttete in einer einzigen Stadt - Olympischer Fackellauf soll trotzdem fortgesetzt werden"
Gleiches Titelblatt: "UN fordert Luftbrücke"
Gleiches Titelblatt: "Airbus hat wieder Lieferprobleme" - "60 Tote bei Anschlag in indischer Touristenstadt" - "Fernsehen überträgt alle DFB-Pokal-Spiele"
Eine Zeitung, ein Tag, ein Teil des Titelblatts. Über 18000 Tote, aber wir können die Pokalspiele sehen. Ich glaube, mir wird schlecht.
Darum lese ich keine Zeitung: Weil ich nicht vergessen kann. Weil ich Angst habe abzustumpfen. Oder wütend zu werden. Weil ich Angst habe, an euch zu zerbrechen.
Aber nicht ganz: Mittlerweile lese ich immer mal und immer häufiger Nachrichten. Weil mir klar wird, daß es eine Art hinschauen ist. Daß diese Dinge nicht vergessen werden dürfen.
Deshalb schaue ich hin. Dosiert. Solange und so oft ich kann. Wenigstens so viel kann ich tun. Auch wenn ich es nicht immer tun kann.
Deshalb schreibe ich diesen Artikel. Für mich, und um den Mund aufzumachen. Wenigstens etwas.
Und deshalb bitte ich Euch, lest die Nachrichten. Filtert sie, um nicht von Schmerz und Lügen betäubt zu werden. Denn das geschieht. Es ist eine natürliche Reaktion, ein natürliches Vorgehen. Dennoch: Seht hin.
Süddeutsche Zeitung, gleicher Tag, zweite Seite: Solange die Wut sie wachhält - > [...] "Wir vermuten, daß hier 800 Kinder verschüttet sind, aber solch eine Zahl kann man ja unmöglich veröffentlichen", sagt der Feuerwermann weiter. "Der Soldat nickt. "Ich wollte Ihnen sagen, dass wir offiziell um zwei Uhr nachmittags hier eingetroffen sind. Das ist schon bekannt gegeben worden", sagt er. Seine Soldaten würden jetzt erstmal ihre Zelte aufschlagen. [...]<
Nichts wird vergessen.
Im Namen Gottes und der Menschen... Thu, May 22. 2008
Wie Konstantin Wecker schon sang: Immer noch werden Hexen verbrannt. Ich wußte nicht, daß es so wörtlich zu nehmen ist.
Laut '20Minuten' wurden in Kenia 15 Frauen als Hexen verbrannt. Weil ihre Namen in einem Exorzismus-Buch einer Grundschule standen. In einem Exorzismusbuch. Einer Grundschule.
Gnade. Uns. Gott.
So jung und schon so verdorben... Wed, May 7. 2008
Es ist doch immer gut, wenn man weiß, woher die kaputte Psyche kommt...
Laut eines Artikels in T-Online werden in den USA werden kleine Kinder als Triebtäter registriert, wenn sie im Kindergarten einem Mädchen auf den Po schlagen.
Frage: Was sind das für Erwachsene, die solche Fantasien haben, und was für Erwachsene sollen aus Kindern werden, die mit einer solchen Wahnvorstellung in ihrer Umgebung aufwachsen?
Zwischensumme Thu, Apr 10. 2008
Knapp 3 Monate jetzt Schauspielschule.
Ich hatte noch keine heftigere Therapie als das. Bilder und Worte schwirren in meinem Kopf. An manchen Tagen kaum und mittlerweile mal gar nicht, an anderen wie ein dichter Schwarm dunkler Vögel, ein Video auf Repeat. Dafür, daß ich schon eine Traumatherapie hatte, ist da noch ganz schön viel übrig.
Aber gut. Einer der Gründe, daß ich die Ausbildung mache. Vielleicht habe ich ein paar schwierige Voraussetzungen, vielleicht auch nicht schwierigere als die Anderen. Ich halte mir zugute, daß sie doch schwieriger sind als von Manchen. Kein Grund, es nicht zu machen.
Keins davon. Das Gefühl nach den Übungen und nach einem Auftritt gibt mir Recht. Natürlich, manchmal fühle ich mich ausgepowert. Natürlich, da schleicht der Gedanke herum, ob es das Richtige ist. Ob es nicht eine bessere Möglichkeit gibt. Ob ich nicht doch etwas Anderes machen sollte. Natürlich gibt es auch Dinge und Leute, die mich aufregen und an denen ich mich prima aufreiben kann.
Zum ersten Mal aber: Kein Grund zu gehen. Nicht ausreichend Grund. Nicht bohrend, nicht nagend genug; nicht den Rest überwiegend. Zum ersten Mal: Schaffe ich es zu bleiben. Darüberhinaus: Bin ich so zufrieden, wie ich es immerhin noch nie mit einer Ausbildung und einem Weg war. Immerhin soweit. Was kommt, wird sich zeigen.
Die Ausbildung ist im Moment noch eine gute Mischung aus Darstellung und körperlichen Dingen. Ich fühle mich ohnehin wohler, wenn ich mich angestrengt habe, aller Ungelenkigkeit zum Trotz, und welcher Addy würde behaupten, er könne Koordinationstraining brauchen.
Nun habe ich jene Ausprägung von Hyperaktivität, die sich nach innen richtet: Muskelanspannung bis -Verkrampfung - siehe Fibromyalgie -, Unruhe, vibrierende Füße, sowas. Würde sie sich nicht durch die Fähigkeit zu plötzlichem Anspringen von Körper und Geist auf etwas ab und zu mal zeigen, hielte ich mich für rein hypo. Ich weiß, die Grenzen sind schwierig zu ziehen. Fakt ist: Ich bin introvertiert und habe eine Soziophobie; ADS mit autistischen Zügen. Fakt ist auch: Ich bekomme ziemlich gutes Feedback, wenn ich eine Rolle spielen kann, und fühle mich dann auch sicher. Etwas zum Festhalten, siehe frühere Artikel.
Problem ist: Es scheint nicht zu reichen.
- Darstellungslehrer und Sprechlehrerin sagen, meine Stimme sei zu leise.
- Immerhin: Beide sind der Ansicht, ich könne dran arbeiten. Verbesserung sei da.
- Gesagt bekomme ich es aber immer wieder, mit schnell wachsendem Nachdruck.
- An sich anstrengend, aber in meinem Hochgefühl weiß ich, daß ich dran arbeite und das nicht mit vollkommenem Mißerfolg.
- Mein Darstellungslehrer meinte vor einem Monat, ich hätte immer ein leichtes Lächeln auf den Lippen. Immer aber auch mit einem feinen Hauch Trauer.
- Gestern kam hinzu, daß ich einen "Zuckerguß" auf dem Lächeln hätte. Es wäre etwas "zu süß".
- Ich schätze den Mann u.a. für seine Beobachtungsgabe. Allerdings war ich auch so froh, die angelernten Automatismen schon so weit abgebaut zu haben. Habe ich denn so antrainiert, wie andere Menschen gucken zu können? Habe ich so antrainiert, ja nicht nicht zu lächeln? 'Süß' sein?
Beides kam diese Woche schon sehr gehäuft. Gerade hatte ich auch noch das Feedback des Bewegungslehrers...
- "Zu wenig nach außen" nannte es mein Darstellungslehrer. Auch dem heute fehlte die Präsenz. Ich sei "in mich zurückgezogen." Auch wenn es den Anschein machte einer "Zurückhaltung aus Klugheit" heraus, die nicht falsch wäre.
- Ich solle mehr Körperlichkeit zeigen. Mehr Macho mal sein, "Alphatier" hatte er es bei einem genannt.
- Ich würde mit meiner Art wahrscheinlich Nichen-Rollen bekommen, doch die sind selten. Die meisten Rollen entsprechen einem klassischen -wenn auch vielleicht überholten - Männerbild, welches ich nicht biete."Niche passt nicht in der
Schule. - Außerdem ist die Frage: Willst Du wirklich Nichen
spielen?" - "Vielleicht spielen die
Anderen gar nicht so gern mit Dir, weil sie bei Dir nichts
zurückbekommen." - Gerade, weil es Bewegung ist
und ich weiß, daß da ein Defizit ist, habe ich mich mächtig ins Zeug
gelegt. Jedoch.. "Ich habe von Dir noch nicht wirklich etwas gsehen
oder wahrgenommen. Es macht den Eindruck von nur 30%, auch wenn es für
Dich vielleicht schon 80% sind." Beides.. nicht die Zahl, die meinem
Gefühl entsprach.. - Am Schluß müsse er eine
Bewertung machen. Bisher könnte er das noch nicht, weil er noch nichts
von mir hat.
Ja: Ich habe
auch schon positive Dinge gesagt bekommen. Ja, auch in dem Feedback waren..
drei.. positive Punkte.
Doch die
schreibe ich jetzt hier nicht auf. Weil sie keinen Platz in meinem Bauch gerade
finden. Weil ich quasi vorhin gesagt bekommen habe, daß ich bei den bisherigen
Leistungen fliegen werde.
Klar, in
meinem Kopf ist der Ort, der weiß, daß ich damit jetzt arbeiten und etwas
ändern will und werde. Heute abend habe ich aber weder Lust noch Energie für
den Ort. Heute abend habe ich einfach keinen Boden unter den Füßen. Heute abend
möcht ich am liebsten losheulen. Heute abend würde ich mich verkriechen. Heute
abend fällt mir auf, daß ich jemanden bräuchte, den ich nicht habe. Also lasse
ich mich an Buchstaben aus, statt eine Berührung von einer einzigen Person
zuzulassen, die mich berühren darf.
So ein
langer Text. Dabei hätte doch gereicht: Heute abend: alles Mist. Feedback Ende.
Wider das Vergessen... Wed, Apr 2. 2008
"Die
alten, bösen Lieder,
Die Träume
schlimm und arg,
Die laßt uns
jetzt begraben,
Holt einen
großen Sarg.
Hinein
leg ich gar Manches,
Doch sag ich
noch nicht was;
Der Sarg muß
sein noch größer
Wies
Heidelberger Faß.
Und holt
eine Totenbahre,
Von Brettern
fest und dick:
Auch muß sie
sein noch länger
Als wie zu
Mainz die Brück.
Und holt
mir auch zwölf Riesen,
Die müssen
noch stärker sein
Als wie der
heilge Christoph
Im Dom zu
Köln am Rhein.
Die
sollen den Sarg forttragen
Und senken
ins Meer hinab,
Denn solchem
großen Sarge
Gebührt ein
großes Grab.
Wißt ihr,
warum der Sarg wohl
So groß und
schwer mag sein?
Ich legt
auch meine Liebe
Und meinen
Schmerz hinein."
(Heinrich Heine)
Auf dem Weg zum Seiltänzertraum Fri, Jan 25. 2008
((Dieser Artikel wurde am Dienstagabend geschrieben. Wie gehabt, halt kein Internet. Weiteres in 2 Wochen.))
Allmählich
werde ich unruhig. Wir hatten heute den ersten Unterricht, doch
dadurch, daß noch so viele Fragen geklärt werden mußten,
blieben von 3 ¼ Stunden nur 25 Minuten übrig. Langsam
möchte ich einen Alltag aber reinkriegen, die Routine, die
gerade genug ist, um mir Organisation zu bieten, ohne langweilig zu
werden. Ich bin gespannt, ob es das geben wird.
Umgekehrt
bin ich so noch immer von Tag zu Tag nervös, was die nächste
neue Stunde bringen wird. Werd ichs können, wie wird’s
ankommen, das Übliche. Immerhin beobachte ich, daß diese
Gedanken tröpfchenweise zu schwinden oder zumindest kleiner zu
werden beginnen. Zum ersten Mal merkt man, daß es den Anderen
oft ähnlich geht, sie in der gleichen Situation stecken und
ihnen auch klar wird, daß wir keinen anderen Weg als einen
gemeinsamen gehen können.
Zugegeben,
das war einer der Punkte, die ich wollte. Schocktherapie Komma
selbstbestellt. Ich, der ich größte Probleme habe, mich
fallen zu lassen, und so unheimlich kontrollsüchtig bin, stürze
mich in eine Ausbildung, in der mich meine Hände nur zusammen
mit denen der Anderen wirklich auffangen können und auf der man
den Seiltanz des Kontrollverlustes (kennen)lernen muß.
Zu
der Übung selbst… Ich kannte sie schon aus früheren
Seminaren und wußte auch, daß sie mir Probleme bereitet.
Beim ersten Mal lief es noch erstaunlich gut. Dann mußte ich
mich auf soviel auf einmal einlassen und, schwupps, flog ich in
bester ADDy-Manier ja sowas von raus und neben der Spur des Ganzen.
Immerhin
habe ich es immer noch halbwegs ohne größere Pannen
hinbekommen. Allerdings… merkte es unser Dozent. Zu meinem
Erstaunen war mir das nicht so schlimm, ebenso wenig, daß er
mich in einem kurzen Satz darauf ansprach. Man muß ihm aber
lassen, daß er dabei eine unheimlich ruhige Art hat. Da ist
nichts Vorwurfsvolles oder Mahnendes dabei, wie es Lehrer gern mal an
den Tag legen. Er nimmt wahr, spricht an, man kann mit der
Verarbeitung beginnen. Ich hoffe, das bleibt so.
Überhaupt
ein ganz besonderer Bonuspunkt: Er läßt sich nichts
vormachen. Von Kindheit an habe ich gelernt, Anderen etwas
vorzuspielen, ein anderes Gesicht zu zeigen, und ich kann durchweg
behaupten, daß ich richtig gut darin geworden war. Ich ekelte
mich deshalb teilweise vor mir selbst, aber ich war richtig gut
darin. So gut, daß es schon zum Automatismus geworden war. In
dem Moment, als mir genau das klar wurde, habe ich es so gehasst, so
schrecklich gefunden, daß ich es ablegen wollte. Um jeden
Preis. Mittlerweile denke ich mir, daß man auch hier wie bei
allem ein gesundes Maß nur lernen müßte. Ich bin mir
aber nicht sicher, ob ich ein solches Mittelmaß überhaupt
noch darin anstreben kann. – Gut, für meinen Beruf sollte ich
es wohl lernen, so spielen zu können. Großes Aber: Dann,
wenn ich es will, nicht, weil es eben passiert.
Dieser
Lehrer jedenfalls, und ich glaube, diese Fähigkeit hat dort
nicht mal er allein nur, sieht dahinter. Sein Blick ist nie wirklich
abwesend. Selbst, wenn er redet, ist er in seinen Augen immer präsent
und blickt umgekehrt einen an. Obwohl er so wenig bisher mit uns zu
tun hatte, scheint er jeden Einzelnen schon – zumindest zu einem
Grad – zu kennen. Darüberhinaus scheint er wirklich
interessiert, jeden Einzelnen auch weiter kennen zu lernen.
Eine
Schule seltsamer Verrückter. Wieder ein Tag, an dem sie wie für
mich gemacht scheint. Ich hoffe weiter, daß es so bleibt.
Morgen
ist der erste Tag mit vollem Programm. Einiges mehr als bisher. Der
nächste Schritt.
Am Anfang war der Zweifel Tue, Jan 22. 2008
So, das war Dein erster Tag.
Da ist ja ganz schön was los gewesen. Schwankend zwischen
himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt... naja, zumindest
Aufregung kurz vor Panik bist Du hingegangen. Zu Deiner Freude und
Überraschung mußtest Du feststellen, daß sich Deine
Mitbewohnerin mit so ziemlich den gleichen Sorgen und Befürchtungen
quält, die doch bei Anderen so viel mehr unangebracht sind als
bei einem selbst:
„Was, wenn ich in Fettnäpfchen tappe, wie es mir immer mal
passiert?“ - „Was, wenn ich Leute nicht mag oder die mich nicht
mögen?“ - „Was, wenn alle Anderen viel, viel besser sind als
ich?“ - „Was, wenn ich die Sachen, die ich beim Probekurs konnte,
plötzlich alle nicht mehr kann?“ - „Was, wenn ich nur Glück
hatte, und eigentlich gar nicht geeignet bin?“
Überraschung: Es denken auch andere so. Kann doch gar nicht,
denkst Du. Die sind doch besser als ich, denkst Du. Zwickmühle:
Das glauben die umgekehrt auch. Denk mal drüber nach.
„Hah, aber wenn mich die älteren Studenten nicht mögen?“
- „Und alles ganz anders ist?“ - „Werde ich da gleich irgendwas
vorführen müssen und dann sehen alle, daß ich nichts
kann?“
Wieder Überraschung: Sie bemühen sich alle darum, Dir
den ersten Tag so angenehm wie möglich zu machen. Dir zu zeigen,
daß Du es auch schaffen kannst. Dir den Grundstein mitzugeben
und ihn Dich selbst bauen zu lassen. Wahnsinn.
Dann siehst Du, was die Anderen spielen können, und fragst
Dich, ob Du das jemals auch hinkriegen kannst. Aber überleg mal,
die haben das auch geschafft. Vor allem: Wenn jetzt schon Andere in
Deiner Klasse die gleichen Bedenken hatten wie Du, wie wahrscheinlich
ist es, daß in dem Jahrgang auch welche waren, die solche
Zweifel an sich hatten. Und jetzt? Sie mögen nicht alle
Weltklasse sein, aber sie stehen da und spielen. Ist es nicht das,
was Du willst? Spielen? Und so unterschiedlich sie auch begabt sein
mögen, hast Du Dich nicht gerade gefragt, ob Du das auch
könntest? Haben sie sich das vor einem halben Jahr nicht genauso
gefragt? Rein logisch müßtest Du also alles mit „Ja“
beantworten. Schlußfolgerung: Ich habe Recht. Du kannst es
schaffen. Du kannst da vorne stehen. Und Du kannst diese Dinge
lernen, die Dir noch fehlen.
Aber ich merke, daß selbst jetzt, wo ich es als Brief an
Dich schreibe, Dir beim Tippen die Finger klamm werden. Wie
vermessen, denkst Du. Das einmal können, das einmal tun. Eines
der Attribute, die uns die ältere Klasse auf den Weg mitgeben
wollte, war „Maßlosigkeit“. Vielleicht war damit auch eben
jene gemeint: Nicht an das Maß halten. Nicht an das der
Anderen. Und vor allem nicht an jenes eng Geschnürte, das man
sich selbst umbindet. Traue Dich, maßlos zu sein. Traue Dich,
die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, wie sie „dort vorn“
stehen zu können, Deine Sätze hinbekommen zu können.
Wage den Funken der Überlegung, daß Du eine Rolle spielen
könntest, die Andere zum Lachen oder zum Weinen, zum Träumen
anregen könnte, daß man den Glanz in ihren Augen sehen
kann. Und daß es endlich nur noch eine Rolle auf einer Bühne
wäre.
Eine Rolle auf einer Bühne, während Du Deine ersten
zaghaften Schritte zu Dir selbst tust. Ja, ich weiß, wie mulmig
Dir bei dem Gedanken ist. Denn Du bist Dir vollkommen bewußt
darüber, daß Du da eine Schocktherapie mit Dir selbst
durchführst. Du wirst nicht anders können, als Dich zu
präsentieren. Du wirst Dich irgendwann im Unterricht fallen
lassen müssen, wirst das Vertrauen, den Glauben daran aufbringen
müssen, daß da Andere sind, die Dich auffangen. Die
Ungeheuerlichkeit ins Auge fassen, daß – selbst wenn du
fällst – es in Ordnung sein könnte und immer die Chance
da ist, die Stärke in Dir, Dich wieder aufzurichten. Und dabei
wirst Du merken, daß Dein Rücken stark genug ist, sich
aufzurichten, bis er endlich gerade ist. Du kannst nur hoffen, in der
Blöße, die kommen wird, die Wärme und Geborgenheit
Deines Selbst zu finden, die es in den ganzen so starken Mauern nicht
gibt.
Breite die Arme aus, damit Flügel daraus erwachsen können,
und spring. Wie es in einem – relativ – weisen Buch heißt:
Wenn Du es schaffst, neben den Boden zu fallen, wirst Du fliegen.
Ich weiß, wie mulmig mir bei diesen Gedanken ist. Ich werde
sehen, was daraus und aus der kommenden Zeit erwachsen wird. Wie sehr
hoffe ich. Wie wenig wage ich mich zu hoffen. Ich weiß nur
Eines: Daß der Schritt richtig war. So sehr ich mich nun daran
festklammere und darin in panischer Starre zu verharren drohe, ich
weiß genau: Morgen kommt der nächste.
Nur ein Schritt, keine tausend. Ein einziger. Der sollte zu
schaffen sein. Schon hebt sich mein Fuß. Eine Leistung
ohnegleichen. Unsagbar schwer und unbeschreiblich federleicht. Bis
morgen.
Zweieinhalb Stunden noch... Mon, Jan 21. 2008
Endlich kein SmallTalk mehr Fri, Apr 6. 2007
Es geht ganz einfach: Man muß also nur berühmt werden. ![]()
Ich wußte, daß mir Ian McKellen sympathisch ist. Nun lese ich, daß er immer Schwierigkeiten hatte, auf Parties zu gehen. Es ist immer schön zu wissen, daß es Leute mit ähnlichen Problemen gibt. Umso besser, wenn man sieht, wie großartig es dennoch werden kann.
Vicious Circle Thu, Mar 1. 2007
Seit Jahren hatte ich keine Migräne mehr. Mal zwischendurch was Leichtes, was man noch für Kopfschmerzen abtun konnte und was auch durch Tabletten leicht wegging. Davor 28 Jahre lang, immer wieder und mit zunehmender Häufigkeit und Stärke Anfälle. Ich war so froh, als es sich nicht mehr meldete.
Am Samstag hatte ich einen Anfal, der nicht durch Tabletten wegging. Gestern Nacht wieder und dieser hält mit unterschiedlicher Stärke auch immer noch an. Ich weiß nicht, was schwieriger ist. Der Schmerz an sich oder gegen die Angst anzugehen, daß es nun wieder regelmäßig zurückkehrt. Die Angst allein würde es zurückbringen können. Das weiß ich, denn noch nie hatte ich einen wirklich körperlichen Grund für die Anfälle gehabt. Alles psychosomatisch. "Herzlichen Glückwunsch, sie sind gesund! Sie haben überhaupt keinen Grund, Migräne zu haben!"
Herzlichen Dank.
"Do not live in fear." Habe ich zu sehr Angst, kann ich Migräne dadurch bekommen. Kämpfe ich zu sehr dagegen an, auch. Ist es komisch, daß mir das Angst macht?
Achievement Wed, Feb 14. 2007
Gerade hat mich meine Mutter angerufen. Ich war sehr irritiert, denn sie war in Tränen aufgelöst.
Zu meiner großen Erleichterung erfuhr ich, daß es Tränen der Freude waren. Ihr war etwas Besonderes geschehen:
Eine Freundin von mir hatte geklingelt und war kurz vorbeigekommen, einfach, um ihr heute - Valentinstag - einen Blumenstrauß vorbeizubringen. Einfach so. Für sie und mich.
In meinem Leben ist einiges schief gelaufen, ich habe ein paar Fehler gemacht und habe ein paar Fehler, vieles muß noch wenigstens ins Lot gebracht werden, aber:
Es gibt sehr wenige Leute, die ich als "Freund" bezeichnen würde. Aber diese Leute zeigen mir, daß ich etwas erreicht habe, etwas wirklich Gutes, Besonderes: Sie sind meine Freunde. Sie haben auch ihre Probleme und sind vielleicht etwas schräg, aber: sie sind da. Sie sind bereit, für mich da zu sein. Sie haben wundervolle Persönlichkeiten und wundervolle Herzen. Sie schaffen es, daß ich ihnen vertrauen kann und sie schaffen es, mir zu vertrauen. Sie schaffen es sogar, in mich zu vertrauen, obwohl ich es kaum kann. Sie machen die Welt ein großes Stück reicher und mich auch.
Ich nenne keine Namen, aber ich werde sie nie vergessen. Danke.
Black Out Tue, Jan 30. 2007
Okay, mir ist es an sich nicht unbekannt. In mir sein, die Umgebung als ablaufende Szene außerhalb nur wahrnehmen, halb wahrnehmen. Mein Kopf, meine Haut, die gläserne Mauer, hinter der irgendwas abläuft. Ich dahinter, innen drin. Es passiert nicht dauernd, nur manchmal. Oft genieße ich es dann auch, wenigstens einen Moment Ruhe. Nichts, was auf Einen einprallt. Wenigstens ein paar Sekunden...
Aber diesmal.. hat es mich voll erwischt. Mitten in der Probe, auf der Bühne. Ich sage meinen Text, dann kommt mein Gegenüber. Glücklicherweise hat er viele Zeilen. Genügend, daß mir mein Blick an ihm vorbei auf die Wand auffällt. Mir auffällt, wie mein Körper still steht. Dann kommt mir der Gedanke, daß die Anderen irritiert sein dürften. Oder sind? Dann, daß ich bestimmt bald wieder etwas sagen muß. Keine Ahnung, wo der Andere grad ist. Ich bekomme nur mit, daß er Laute von sich gibt. Ich gebe mir einen Schubs...
Ich habe den richtigen Einsatz gefunden und mich wieder entsprechend bewegt. Besser, wenn das nicht mehr außer meine Kontrolle gerät, nicht wahr... Ob ich versuchen sollte, es von Zeit zu Zeit bewußt herbeizuführen, damit es nicht so passieren kann? Aber meditieren kann ich nicht, keine Ruhe...
Ich sollte morgen meine Komilitonin fragen, ob sie es bemerkt hat...

