Seit ich mich entsinnen kann, sind
immer Geschichten in meinem Kopf herum gespukt. So viele, dass ich
nicht nur einmal davon bis spät wach gehalten und am nächsten
Morgen wieder geweckt wurde. Ich liebe Geschichten, phantastische
Bilder, Filme, die in den Zuschauern den Funken einer anderen Welt
neu entflammen. Ich liebe den Glanz in den Augen der Leute, Kindern
wie Erwachsenen, wenn dieser Funke – und sei es nur für eine
kurze Zeit - aufglüht. Er hat die Kraft, einen bitteren Tag zu
versüßen. Oder ganze Welten zu schaffen.
Was wäre also das Naheliegendste?
Schreiben. Filme machen. Theater spielen. Vielleicht malen? Das
klingt alles gut.
Warum tue ich es dann nicht? Nein, ich
habe kein Buch an dutzende Verlage geschickt und wurde nicht
angenommen. Ich habe auch nicht mein letztes Geld in einen Film
gesteckt, der ausgebuht wurde, und selbiges ist mir auch auf keiner
Bühne bisher passiert.
Im Gegenteil. Wenn ich etwas schreibe, gefällt es, zumindest meinen Freunden. Sie mögen meine Ideen und als ich letzt zum ersten Mal auf einer Bühne stand, waren die Zuschauer begeistert.
Was also hält mich auf? Ein paar einfache Tips:
- Die beste Methode, aus einer Quelle von Ideen einen Morast werden zu lassen, ist: Selbstsabotage. Es gibt kaum etwas Besseres. Man braucht dafür kein Geld - auch, wenn es hilft, möglichst viel davon auszugeben, um sich den Kopf dann mit materiellen Sorgen vollzuknallen. Man braucht auch keine Ratschläge guter Freunde; gut, die meisten sind entweder eh keine, oder sie können nicht nachempfinden, was in dem Kopf so alles vor sich geht, das könnte also doch helfen.
Aus dieser kleinen, feinen Substanz läßt sich nun mit ein paar Zutaten ein köstliches Rezept herstellen. Man nehme eben erwähnte Selbstsabotage; sie muß natürlich selbst schon gut abgeschmeckt sein und je länger sie ziehen konnte, desto besser. Dazu gebe man einen guten Schuß ADS und einen Vater mit wirklichen Problemen. Das Ganze abschmecken mit einer Würzsauce aus Soziophobie und psychosomatischen Folgeerscheinungen - wirklich! Ohne das ist das Gericht nur halb so viel wert! -, und vergessen Sie nicht eine Prise Selbsthaß, oh, das macht viel aus.
Je nach Bedarf dann entweder aufkochen und genießen oder auf kleiner Flamme lange köcheln lassen. Das Rezept ist ergiebig. Man kann sogar Reste einfrieren und immer wieder auftauen, meistens ohne den geringsten Geschmacksverlust.
Wenn das alles so fein säuberlich vor- und mit viel Hingabe zubereitet wurde, dann hat man gute Chancen, niemals auch nur eine Welt außerhalb der eigenen Mauern zu erschaffen. Nutzt man diese Chancen, landet man im günstigsten Fall in einer Klinik oder beim Sozialamt. Ach, das gibt es ja nicht mehr. Na, gut, ein Job mit ohnehin jeden Monat wechselndem Arbeitgeber ist vielleicht auch noch drin.
Wißt ihr was? Bullshit.
Nehmt den Topf und werft ihn gegen die nächste Wand.
Aber vorsicht. Nehmt die mit der Latexfarbe. Die Überreste sind so schon schwierig genug zu beseitigen.