First steps... Mon, Sep 25. 2006
In Frankfurt ist zur Zeit die Edit. Eins muß man der Stadt lassen, viele Möglichkeiten bietet sie ja. Theoretisch. Wenn man hingeht.
Samstag und Sonntag habe ichs nicht geschafft. Naja, immerhin, ich war bei dem Verlagsgespräch. Aber heute, tadaaa! Von morgens an. Gut, mal wieder Essen vergessen. Schnell in einer Pause besorgt, wenn es auch mein tägliches Budget somit mal wieder gesprengt hat. Besser, als wenn mein Schweinehund eine Ausrede fürs Gehen findet.
Die Vorträge waren eigentlich allesamt super interessant. Einmal mehr kam mir die Erleuchtung "Das willst Du machen!". Gut. Aber wie? Ich versuchte, Grübeleien über meine fehlende Ausbildung, mein Alter und meine Geldsorgen zu verdrängen, um weiter den Redner folgen zu können. Aber da sind die Probleme ja schon. Auf der einen Seite denke ich mir: Hey! Ich habe das Potential, um in der Branche wirklich gut sein zu können! - Nur die blöden Abers. Unsicherheit. Und nicht zuletzt: Dafür muß ich den Mund aufkriegen. Wenn ichs mal schaffe, kostet es mich sehr viel Energie. Ich weiß noch keine Lösung. Vielleicht würden sich alle 5 Probleme auf einmal verabschieden, wenn ich.. ja, wenn ich.
Bei dem Vortrag von Keith Cunningham bekomme ich noch einmal die Bestätigung mit der Kelle. Ich kann nicht verstehen, wie die Teilnehmer, die sich melden, so blind sein können gegenüber den Effekten im Subkontext. Das ist doch alles klar ersichtlich. - Ja. Aber die melden sich.
Irgendwie komme ich auf die Idee, die Dozenten der FH Darmstadt in der Pause anzusprechen und tus sogar. Was sie erzählen, klingt gut, obwohl ich mir nie einen technischen Studiengang vorstellen konnte. Aber demnächst soll es da einen neuen geben. Herstellung von Filmmedien in all seiner Form. Myummi. Wermutstropfen: Studiengebühren gelten auch für sie. Schade. Da mich mein Kopf über Jahrzehnte mit ADS, Stimmungsschwankungen, Schweinehund, vor allem aber mit Migräne davon abgehalten hat, ein Studium richtig durchzuziehen, falle ich unter die Kategorie Langzeitstudent. Im Moment sind das in Frankfurt 1145,- Euro pro Semester. Wenn sie tatsächlich die Änderung wie geplant durchziehen, bin ich bei 2645. Damit wäre es aus mit TFM und das von der FH auch keine Alternative. Im Hinterkopf kann ichs trotzdem behalten. Und seis, um mich zu ärgern. ;>
Noch mehr interessante Vorträge später trete ich mich in einer Pause, zwei Leute anzusprechen. Während meine Aura sich an einer Wand festkrallt, gehe ich zu ihnen, bevor ichs mir anders überlegen kann. "Gibt es Möglichkeiten, als Quereinsteiger bei Regie oder Schnitt in die Branche reinzukommen?" - Überraschung: Sie antworten total freundlich und überlegen darüber hinaus nach Möglichkeiten. Das "Ruf dort einfach mal an und..." klingt so einfach, daß es sich wirklich schrecklich anhört. Super nett, das muß man ihnen lassen. Ich bedanke mich freundlich und gehe in den nächsten Vortrag, um nicht zu hyperventilieren.
Dieser Vortrag war ein Interview mit Terry Gilliam, der auf dem Festival auch ausgezeichnet wurde. Seine Filme sind nicht ganz mein Geschmack, aber ihn finde ich im Gespräch klasse. So locker würde ich auch gern sein, aber vor allem sollte jemand mit seiner Art doch irgendwie Hoffnung machen...
Der Rat der beiden Profis hallt noch nach. Morgen sind auch noch Recruitment-Stände da. Was könnte ich denen sagen? "Hallo. Ich habe keine Ahnung von dem Job, aber ich will ihn machen. Bin ich dabei?" Hm. Eins von beiden, Stände oder Anruf, wären doch mal was.
... Ich habe Angst, daß ich Ende der Woche keins von beidem getan habe...
Geschafft! Sat, Sep 23. 2006
In Frankfurt läuft zur Zeit noch das Literaturfest, im Rahmen dessen sich u.a. auch Verlage in kurzen Gesprächen vorgestellt haben. Ich hatte ziemlich kurzfristig davon erfahren, aber das klang doch nach einer Möglichkeit, mal wenigstens ein paar Informationen zu sammeln. Wenn ich Glück hatte, stellte jemand anders die Fragen und ich müßte noch nicht einmal selbst sprechen. Also hin!
Freitag, erster Versuch: Eigentlich ist genügend Zeit und die angegebene Nahverkehrslinie gar nicht so weit von mir entfernt. Dann springt der Uhrzeiger plötzlich eine halbe Stunde nach vorne und ich hetze aus der Wohnung. Gerade noch den Bus gekriegt, puh. Im Bus wird mir dann schlecht. Ich schiebe es auf die Kinetose, die ich noch immer nicht ganz losgeworden bin. Dann fällt mir auf, daß ich mal wieder nichts gegessen habe. Klasse. Das kommt davon, wenn man eine Reizleitungsschwäche hat und das Hungergefühl nicht richtig im Gehirn ankommt. Einen Grund gefunden zu haben lenkt die Gedanken nicht gerade davon ab, also stur die Gegend draußen beobachtet. Jetzt nur nicht aufgeben.
Schon kommen wieder die blöden Gedanken, die mich schon auf dem Weg zum vermeintlich verpaßten Bus überfielen. 'Vielleicht ist das ganz uninteressant.' - 'Wenn ich zu spät komme, werde ich blöd angeschaut.' - 'Vielleicht muß man sich ja mit den Leuten direkt unterhalten. Was sage ich dann?' - 'Vielleicht ja doch besser nicht...'
Weggekämpft und an was Andres gedacht. Leichter gesagt als getan. Endlich, die Haltestelle. Mit wackligen Knien steige ich aus und schau mich um. Klasse, die Hausnummer ist weit und breit nicht zu sehen. Wieder sinken Hoffnungen wie Energie. Gerade, als ich aufgegeben habe, das Haus noch zu finden, entdecke ich ein Straßenschild. Mein Herz hüpft und ohne darüber nachzudenken gehe ich in die Richtung. Das da vorne, das müßte es sein. Mit jedem Schritt sieht es größer aus, laufe ich gegen eine unsichtbare Mauer an. Die Treppenstufen sind schrecklich hoch. Eine Turmuhr läutet: 18 Uhr. Jetzt werden sich in dem Saal die Türen schließen. Die, durch die ich durch muß, um die Veranstaltung noch zu besuchen. Die mit den vielen Leuten dahinter.
Das wars. Ich schaue mir draußen das Programm an und gehe die Querstraße runter. Mir ist zum Heulen zumute. 'Wenigstens weiß ich morgen schon, wo's ist.' versuche ich mich aufzumuntern und die Befürchtung zu vertreiben, daß ich auch da nicht mehr hingehen werde. Ich spaziere den halben Weg zurück. Wenigstens krieg ich noch ein paar Fotos geschossen. Dafür überfällt mich dann zuhause ne leichte Migräne.
Tja... Aaaber: Heute immerhin einen Bus früher bekommen. Nicht aus Hunger, aber aus Lernerfahrung heraus vorher noch etwas Essen runtergewürgt. Also: Keine Probleme im Bus trotz der langen Fahrt. Den Fußweg dann auch schon von gestern gekannt. Aber auch die bösen Treppen. Ich hab wieder Angst reinzugehen, aber noch weniger will ich das Gefühl, wenn ichs nicht tue. Also ein Fuß vor den anderen geschoben und rein. Jubel, ich bin im Foyer. Auch noch erster Stock. Aber auch das klappt. Die Frau an der Kasse guckt etwas komisch, weil ich kein Wort sage. Wenigstens funktioniert meine Konditionierung und ich lächle sie gewinnbringend an. Das wirkt. Da ich meine eigene Stille gemerkt habe, kriege ich dann auch ein freundliches "Danke" heraus, als ich die Eintrittskarte bekomme. Rein in den Raum. Ein Platz gefunden, an dem ich was sehen kann und trotzdem nahe dem Ausgang bin. Mikros zeigen an, daß es ein moderiertes Gespräch ist. Ich atme auf und kann meiner Neugierde freien Lauf lassen. Geschafft!
Die Vorstellung war übrigens sehr interessant. Nicht absolut tiefgreifend, aber mit schönen Informationen. Außerdem kenne ich jetzt die Wissenschaftslektoren des Suhrkamp-Verlags und weiß, daß hauptsächlich von ihrer Entscheidung die Akzeptanz eines Manuskripts abhängt. Vielleicht habe ich ja mal eins für sie. ![]()
Ab nächstem Jahr gibt es eventuell monatliche Verleger-Gespräche. Ich glaube, dann sind die Treppen auch nicht mehr so hoch.
It's a long way to Tipp-er-ary... Sat, Sep 23. 2006
Seit ich mich entsinnen kann, sind
immer Geschichten in meinem Kopf herum gespukt. So viele, dass ich
nicht nur einmal davon bis spät wach gehalten und am nächsten
Morgen wieder geweckt wurde. Ich liebe Geschichten, phantastische
Bilder, Filme, die in den Zuschauern den Funken einer anderen Welt
neu entflammen. Ich liebe den Glanz in den Augen der Leute, Kindern
wie Erwachsenen, wenn dieser Funke – und sei es nur für eine
kurze Zeit - aufglüht. Er hat die Kraft, einen bitteren Tag zu
versüßen. Oder ganze Welten zu schaffen.
Was wäre also das Naheliegendste?
Schreiben. Filme machen. Theater spielen. Vielleicht malen? Das
klingt alles gut.
Warum tue ich es dann nicht? Nein, ich
habe kein Buch an dutzende Verlage geschickt und wurde nicht
angenommen. Ich habe auch nicht mein letztes Geld in einen Film
gesteckt, der ausgebuht wurde, und selbiges ist mir auch auf keiner
Bühne bisher passiert.
Im Gegenteil. Wenn ich etwas schreibe, gefällt es, zumindest meinen Freunden. Sie mögen meine Ideen und als ich letzt zum ersten Mal auf einer Bühne stand, waren die Zuschauer begeistert.
Was also hält mich auf? Ein paar einfache Tips:
- Die beste Methode, aus einer Quelle von Ideen einen Morast werden zu lassen, ist: Selbstsabotage. Es gibt kaum etwas Besseres. Man braucht dafür kein Geld - auch, wenn es hilft, möglichst viel davon auszugeben, um sich den Kopf dann mit materiellen Sorgen vollzuknallen. Man braucht auch keine Ratschläge guter Freunde; gut, die meisten sind entweder eh keine, oder sie können nicht nachempfinden, was in dem Kopf so alles vor sich geht, das könnte also doch helfen.
Aus dieser kleinen, feinen Substanz läßt sich nun mit ein paar Zutaten ein köstliches Rezept herstellen. Man nehme eben erwähnte Selbstsabotage; sie muß natürlich selbst schon gut abgeschmeckt sein und je länger sie ziehen konnte, desto besser. Dazu gebe man einen guten Schuß ADS und einen Vater mit wirklichen Problemen. Das Ganze abschmecken mit einer Würzsauce aus Soziophobie und psychosomatischen Folgeerscheinungen - wirklich! Ohne das ist das Gericht nur halb so viel wert! -, und vergessen Sie nicht eine Prise Selbsthaß, oh, das macht viel aus.
Je nach Bedarf dann entweder aufkochen und genießen oder auf kleiner Flamme lange köcheln lassen. Das Rezept ist ergiebig. Man kann sogar Reste einfrieren und immer wieder auftauen, meistens ohne den geringsten Geschmacksverlust.
Wenn das alles so fein säuberlich vor- und mit viel Hingabe zubereitet wurde, dann hat man gute Chancen, niemals auch nur eine Welt außerhalb der eigenen Mauern zu erschaffen. Nutzt man diese Chancen, landet man im günstigsten Fall in einer Klinik oder beim Sozialamt. Ach, das gibt es ja nicht mehr. Na, gut, ein Job mit ohnehin jeden Monat wechselndem Arbeitgeber ist vielleicht auch noch drin.
Wißt ihr was? Bullshit.
Nehmt den Topf und werft ihn gegen die nächste Wand.
Aber vorsicht. Nehmt die mit der Latexfarbe. Die Überreste sind so schon schwierig genug zu beseitigen.

