Weihnachten Sat, Dec 23. 2006
Ich weiß ja nicht, ob das hier jemand liest. Aber da ich bis morgen eh nicht noch mal dran komme, jetzt schon mal allen
FROHE WEIHNACHTEN! Möglichst wenig Streß, dafür viele Geschenke und Leute, die einem wirklich etwas bedeuten, davon nicht zu viele auf einmal.
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A crazy dream Sat, Dec 23. 2006
Wie ich schon sagte, ich habe keinen Ausweg mehr gesehen. vorgestern beging ich dann dafür eine Verzweiflungstat der besonderen Art: Keine Ahnung, ob und wenn ja, warum, ich daran noch nicht gedacht hatte. Aber ich durchkramte die Unis von Österreich nach den verheißungs- (oder verhängnis-?)vollen Bereichen. Es war nur ein Gedanke, doch dann fesselte er mich bis in die Nacht hinein an den Computer.
Denn auf der ersten Seite fand ich nur ein Mindest-, kein Höchstalter. Bei der nächsten ebenfalls. Dann nicht mal das...
Ehe ich es mir anders überlegen würde, schrieb ich die erste Uni an. Im Rausch dann auch die nächste, bis alle 4 eine Mail von mir hatten. Ich wagte kaum zu hoffen, noch dieses Jahr eine Antwort zu bekommen. Oder zu fürchten...
Doch gestern waren drei Antworten da. Die Privat-Uni verweist mich zur Beantwortung auf die Seiten, wo ich schon vorher nicht fündig wurde. Hrm. Na gut, in einer Kopf-stillen Stunde mal suchen. Dann aber noch eine Antwort? Und noch eine? Ich schluckte heftig und klickte auf die erste. "Für die Zulassungsprüfung nur Mindestalter, kein Höchstalter." blinzel Die nächste. "Keine Altersbeschränkung."
Bevor ich es verhindern konnte, war ein Freudenschrei über meine Lippen geflogen. Dann griffen aber meine üblichen Gedanken.
Eine fremde Stadt, noch dazu in einem anderen Land. Alle Leute, die ich kenne, wo ich mich vielleicht mal verstecken könnte, zurücklassen. Geld verdienen, um das bezahlen zu können. Meiner Mutter das klar machen. (Durch meine Vergangenheit bin ich hyperübervorsichtig mit ihr) Und dann, natürlich... Zulassungsprüfung.
Was, wenn ich durchfiele? Was, wenn ich merke, daß es doch nicht das Richtige ist? Wo es doch das Einzige ist, was mir bleibt. Was, wenn ich dann keinen Job kriege? Und immer wieder: Was, wenn ich nicht gut genug bin?
Statt schlafen zu können, kam wenigstens mal wieder ein Blog-Eintrag zustande. Diesmal würde ich mich über Kommentare freuen. Glaube ich. ;-}
Music-makers Sat, Dec 23. 2006
Spannenderweise war es eben diese Vernunft, mein Verstand, der mich nicht zum ersten Mal zwang, mich zu erinnern. Mich an meine Gefühle erinnerte. An das, was wir sind. Glaube ich...
"We are the music-makers
and we are the dreamers of dreams.
Wandering by lonely sea-breakers
and sitting by desolate streams.
World-losers
and world-forsakers,
on whom the pale moon gleams.
Yet we are the movers and shakers
of the world, forever, it seems.
With wonderful deathless ditties
we built up with world's great cities.
And out of a fabulous story
we fashion an empire's glory.
One man with a dream
at pleasure shall go forth and conquer a crown.
And three, with a new song's measure,
can trample an empire down.
We, in the Ages lying,
in the buried past of the earth,
built Niniveh with our sighing,
and Babel itself with our mirth.
And o'erthrew them with prophesying
to the old of the new world's worth.
For each age is a dream that is dying
or
one that is coming to birth."
aus: Dead Poet's Society
Es klingt nicht so unpassend. Oder?
Hör endlich auf, rumzuerbärmeln! Sat, Dec 23. 2006
Wenn man so etwas zu sich selbst denkt, läuft was falsch.
Und falsch läuft ganz eindeutig was. Das fällt mir jetzt auf, wo ich nach zwei Wochen Ruhe schon wieder erkältet bin. Das fiel mir die letzten Tage auf, wo ich dauernd mit brummenden Schädel aufgewacht bin und die Zeit verbracht habe. Wo ich nicht einmal die Kraft hatte, engste Freunde zu besuchen, die ich schon sehr vermisse. Obwohl ich normalerweise zwar mittlerweile mal über mich reden, nicht jedoch über die Lippen bringen kann, daß es mir schlecht geht, hatte ich vor zwei Tagen das für mich deutlichste Anzeichen: Ich beendete den Satz eines Freundes "Du machst ja im Moment..." mit "Mist." Auf seine Irritation hin bestätigte ich meine Aussage und Erkenntnis nochmal, obwohl es mir den Hals zuschnürte: Ich mache Mist. Mist. Mist. Mist. Nichts anderes ist es in meinen Augen. Nach nichts anderem fühlt es sich an.
Ich habe es geschafft, mein Erspartes durchzubringen. Ich war sicher kein Millionär, aber es war nicht die kleinste Summe, und doch ist es futsch. Die gängige Definition von Kaufsucht greift wohl bei mir nicht, denn ich kaufe nicht wahllos, was mir in die Finger kommt. - Oder wäre das nur das letzte Stadium? - Was kaufe ich? Mal ein Computerspiel, okay. Mal gehe ich gerne essen. Ich mag es, auch mal bedient zu werden. Aber was steht bei mir in Mengen herum? DVDs, Bastelkram. Bücher!
Die DVDs sind relativ ausgewählt: Tiefgehende Filme, gute, welche, bei denen mich das Beiwerk interessiert. Warum? Weil ich wissen will, wies geht. Weil es mich fasziniert. Schau ich sie an? Kaum.
Bastelkram... Ich könnte malen, zeichnen, Puzzlen, Dioramen bauen und - zugegeben - mit einem Kinderbastel-Set Drachenkerzen formen. Mache ichs? Natürlich nicht.
Bücher. Worüber? Ihr werdet es halb raten können, oder? Bücher über Film, Theater, Autorentum, Kunst, Regie und Schauspielkunst. Dazu etwas Medizin, Geschichte und Magie, natürlich über ADS und Asperger, Lernbücher, Wörterbücher, gespickt mit ein paar Lexika und Fach-/ Sachbüchern zu Themen, die für mich (und wahrscheinlich nur für mich und Leute, die auf dem ADS-Blog schreiben) zur Allgemeinbildung zählen. Ich oute mich: Es ist auch ein Rechtsbuch und eins über Wirtschaft. Meine Irrwege führten dran vorbei.
Was davon habe ich nun gelesen? Einen Bruchteil. Doch ich brauche keinen Psychologen, um nicht selbst längst erkannt zu haben, wofür sie da sind: Etwas in mir will kaufen, was es nicht haben kann. Was es nicht kann. Hoffentlich noch nicht kann. Ich kann keine Filme machen? Dann kaufe ich mir welche, plus die Beschreibung, wie sie gemacht wurden. Ich kriege kein Buch zustande? Ich habe ein halbes Dutzend Erklärungen, wie es ginge. Ich bin zu alt für eine Schauspielschule? Ich habe die Bücher von Stanislawski. Ich kann nicht malen? Warte, ich kann Dir zu jedem Thema zeigen, wos steht.
Alles, was mich berührt, steht um mich herum. Doch tut es nur das. Es steht herum, unfähig, mich wirklich zu berühren, in mich zu dringen, ich unfähig, die Hand danach auszustrecken.
Stattdessen mache ich Mist. Das Geld, das mir erlaubt hätte, alles aus einer ruhigen Position heraus zu betrachten, ist futsch. Noch ehe ich die Ruhe zur Betrachtung gefunden habe. Ich sah es kommen, sowohl den Geldmangel, als auch die Ruhe, die immer einen Schritt von mir entfernt bleibt.
Ich hatte mich dazu durchgerungen, mich endlich doch für Schauspiel oder Regie bewerben zu wollen. Nur, um zu sehen, daß es Höchstalter gibt und leider nur die Jungen, die nicht wissen, was sie verpassen, wenn sie glauben, vernünftig zu sein, genommen werden. Also warf ich hin, was noch von meinem Interesse an meinem erlernten Beruf übrig war, und bewarb mich für TFM. Zu meiner Überraschung wurde ich genommen! Ein Zeichen!
Ja. Das Studium gefällt mir. Der Kommentar zu meiner allerersten Hausarbeit? "Wer bei so etwas schon so schreibt, der sollte schreiben." Wow. (Keine Frage, natürlich mache ich es nicht.) Das Studium hat interessante Inhalte, wirklich.
Doch merkte ich bald, daß mir etwas fehlt. Mir fehlt die Praxis. Ich sehnsüchtle noch einer Bühne hinterher, der Filmarbeit, dem Schaffen von Werken, die Menschen zum Träumen bringen. (Gleichzeitig frage ich mich sofort, ob es nicht die Sehnsucht ist, nach der ich mich sehne, und der Traum vorbei wäre, würde er wahr...)
Aber was soll ich tun? Seit ich das Studium begonnen habe, hatte ich nicht eine wirklich komplette Idee. Sonst quollen immer die Texte nur so aus mir heraus, seit Studienbeginn nicht einer. Um mich beim Film zu bewerben, fehlt mir der Mut zu telefonieren, zum Schauspiel fehlen mir Mut und Geld. Oder die Zuversicht, es trotz des mangelnden Geldes zu versuchen. Also wieder der Mut.
Zweifel und Furcht sind mir vertraute Gefährten. Doch je genauer ich sie erkenne und kennenlerne, desto immanenter scheinen sie zu werden.
Gut, ich könnte das Studium so weiterführen. Immerhin geht es mir, das habe ich gemerkt, sowohl um den Inhalt des Studiums, als auch darum, einen Abschluß zu machen. Einen, den ich wirklich und mir selbst verdient habe. Für den Anfang hätte mir sogar ein Abschluß des Grundstudiums gereicht. Er hätte gereicht, aber er ist mir verdammt nochmal so wichtig.
Dank meiner vorherigen Irrungen gelte ich als Langzeitstudent. Das waren seit Beginn des neuen Studiums Gebühren, mittlerweile bin ich bei 1145 Euro im Semester. Sollten die Gebühren nächstes Wintersemester so durchkommen, wie sie angedacht waren, dann sind es 2645. Dazu die Lebenshaltungskosten und das eine oder andere Problem... Ich weiß immer weniger weiter.
Vor ein paar Wochen habe ich beschlossen, Vollzeit zu arbeiten, um wenigstens meine laufenden Kosten zu decken. Leider bekam ich nicht ganz die Stelle, die ich wollte (Sie hätte mir ermöglicht, wenigstens abends noch Seminare zu besuchen). Aber immerhin sitze ich jetzt nicht auf der Straße, sondern hatte das Glück, im Kino Vollzeit arbeiten zu können. Wenigstens etwas Geld. Dafür keine geregelte Arbeitszeit. Miete. Aber kein Studium mehr. Das Notwendige. Dafür nicht das Wichtige.
Was tue ich jetzt? Bis vorgestern wußte ich überhaupt nicht mehr weiter. Ich wußte nur, daß es falsch ist. Daß es verdammt falsch läuft. Ich habe mich gefragt, warum ich nicht einfach mich der Situation hingebe. Mich bemühe, wieder in meinem erlernten Beruf (was heißt 'wieder'..) zu arbeiten und Geld zu verdienen. Einfach in Ruhe vor mich hinleben zu können. Die Antwort würgte mich. Damit wäre es vorbei. Ganz gleich, ob es mir gelänge - was nicht sicher ist, okay - oder nicht, es wäre vorbei. Wofür sollte ich dann noch leben. Dann gäbe es keinen Grund mehr. Keinen Sinn. Nur noch die Leere, die das Ende ist.
Es war mein Verstand, der mich von diesen Gedanken abhielt. Man nennt es einen schizoiden Charaktertyp laut irgendeines Psychologen, den ich raussuchen müßte. Überleben. Es bildet sich in der Kindheit aus. Man überlebt sie. Manchmal kommt es einem wie ein Fluch vor. Aber ich bin froh darum. Denn es sichert mein Überleben. Ich will leben.
Ich muß nur noch für mehr gute Gründe sorgen.

