Black Out Tue, Jan 30. 2007
Okay, mir ist es an sich nicht unbekannt. In mir sein, die Umgebung als ablaufende Szene außerhalb nur wahrnehmen, halb wahrnehmen. Mein Kopf, meine Haut, die gläserne Mauer, hinter der irgendwas abläuft. Ich dahinter, innen drin. Es passiert nicht dauernd, nur manchmal. Oft genieße ich es dann auch, wenigstens einen Moment Ruhe. Nichts, was auf Einen einprallt. Wenigstens ein paar Sekunden...
Aber diesmal.. hat es mich voll erwischt. Mitten in der Probe, auf der Bühne. Ich sage meinen Text, dann kommt mein Gegenüber. Glücklicherweise hat er viele Zeilen. Genügend, daß mir mein Blick an ihm vorbei auf die Wand auffällt. Mir auffällt, wie mein Körper still steht. Dann kommt mir der Gedanke, daß die Anderen irritiert sein dürften. Oder sind? Dann, daß ich bestimmt bald wieder etwas sagen muß. Keine Ahnung, wo der Andere grad ist. Ich bekomme nur mit, daß er Laute von sich gibt. Ich gebe mir einen Schubs...
Ich habe den richtigen Einsatz gefunden und mich wieder entsprechend bewegt. Besser, wenn das nicht mehr außer meine Kontrolle gerät, nicht wahr... Ob ich versuchen sollte, es von Zeit zu Zeit bewußt herbeizuführen, damit es nicht so passieren kann? Aber meditieren kann ich nicht, keine Ruhe...
Ich sollte morgen meine Komilitonin fragen, ob sie es bemerkt hat...
Jemand anders... Tue, Jan 30. 2007
... schreibt diese Artikel... Seltsam, daß sie so sehr treffend und bekannt klingen...:
ADDblue: Muschel, Position Beobachter
Woran liegt das? Ich schätze, es gibt noch viele, die sich damit so sehr angesprochen fühlen. Woran liegt das? Ist das das ADS? Oder eine Traumatisierung, die wir - vielleicht dadurch - erfahren haben? Oder ist es die schizoide Charakterveranlagung, die ich laut einer Psychologin habe? Keine Erkrankung. Nur vom Persönlichkeitstyp her... Ist das der Anfang der Geschichte? Oder ihr Ende? Oder nur ein Beiwerk des Ganzen?
Gibt es so wirklich keinen Weg da raus? - Will ich da raus? Ich fühle mich eigentlich ganz wohl in mir... Doch da sind Dinge, die ich tun will, die ich erleben will, für die ich mich wohl raustrauen muß. Für die ich ein paar Schritte draußen machen können muß. Ich wünschte, es wäre jemand da, der mir laufen beibringt.
Glamour Wed, Jan 10. 2007
Im Rollenspiel "Changeling" gibt es eine Kraft, eine Energieform, die 'Glamour' genannt wird. Sie erscheint manchmal unfaßbar, schwer zu beschreiben und ebenso schwer zu begreifen. Diese Energie ist quasi der Lebensfunken der Changelings, ihre Magie basiert darauf. Es heißt, es entsteht, wenn die Menschen träumen, etwas sie zum Träumen anregt...
Ich habe heute "The Prestige" gesehen. Ein interessanter Film mit guten Schauspielern. Darum geht es gerade aber nicht.
Da kam ein Satz vor. Worum es wirklich geht bei der Show: Den Glanz in den Augen der Menschen.
Ich hatte darauf gewartet, daß ich einmal von jemand anderem höre, was es ist, daß mich antreibt. Worum es mir bei den Geschichten geht.
Seit langem war mir schon klar geworden, daß ich kein guter Therapeut bin, weil es mir nicht um die Menschen an sich geht. Weil ich ein seltsames Gefühl bekomme, wenn sie mehr als einmal in meine Sprechstunde kamen. Also ich die erste Folge "Dr. House" sah, hatte es dort jemand für mich in Worte gefasst: Wie eine Erkenntnis beobachtete ich jemanden, wenn auch nur eine Figur, die genau so fühlt. Wenngleich ich nicht ebenso verbittert und misanthropisch bin, habe ich doch meine Ansätze, je nach Stimmung, den Menschen keine Gefühle entgegenbringen zu können.
Ja, ich freue mich, wenn ich dafür sorgen kann, daß es ihnen besser geht. Es ist schön, wenn es das tut. Aber mir persönlich gibt es nichts. Was mich wirklich an meinem Beruf gereizt hat, ist, das Rätsel zu lösen. Das Mittel, die Therapie zu finden, die ihnen eben helfen kann. Die Anwendung der Therapie ist beim ersten Mal noch interessant. Vielleicht beim zweiten auch. Bis man weiß, ob und was das richtige Mittel ist. Ich war auch ziemlich gut darin, dieses zu finden. Doch dann... Dann wurde es schal. Selbst, wenn die Behandlung noch nicht beendet war. Etwas stimmte nicht mehr.
Dann sah ich Dr. House... und fühlte mich ertappt. 'Ihn interessieren die Rätsel, nicht die Menschen." Ist das menschenverachtend? Jedenfalls ist es real.
Das Einzige, was mir sonst noch etwas gegeben hat, war, den Glanz in ihren Augen zu sehen, wenn es ihnen besser ging. Nicht Dankbarkeit. Nicht der Erfolg, in gewisser Weise nicht einmal ihre Freude darüber. Nein, dieser unbeschreibliche, überflutende Glanz.
Um ihn geht es mir, wenn ich schreibe. Um ihn ginge es mir, wenn ich Geschcihten produziere, egal, in welcher Form. Mich interessieren keine Dokumentationen oder wahre oder gefälschte Nachrichten. Es gibt genügend, die so etwas machen können und es sei ihnen vorbehalten. Es geht mir um den Glanz. Das Strahlen in ihren Augen, und sei es nur für ein paar Sekunden. Er ist kostbarer als alles andere.

