Zwischensumme Thu, Apr 10. 2008
Knapp 3 Monate jetzt Schauspielschule.
Ich hatte noch keine heftigere Therapie als das. Bilder und Worte schwirren in meinem Kopf. An manchen Tagen kaum und mittlerweile mal gar nicht, an anderen wie ein dichter Schwarm dunkler Vögel, ein Video auf Repeat. Dafür, daß ich schon eine Traumatherapie hatte, ist da noch ganz schön viel übrig.
Aber gut. Einer der Gründe, daß ich die Ausbildung mache. Vielleicht habe ich ein paar schwierige Voraussetzungen, vielleicht auch nicht schwierigere als die Anderen. Ich halte mir zugute, daß sie doch schwieriger sind als von Manchen. Kein Grund, es nicht zu machen.
Keins davon. Das Gefühl nach den Übungen und nach einem Auftritt gibt mir Recht. Natürlich, manchmal fühle ich mich ausgepowert. Natürlich, da schleicht der Gedanke herum, ob es das Richtige ist. Ob es nicht eine bessere Möglichkeit gibt. Ob ich nicht doch etwas Anderes machen sollte. Natürlich gibt es auch Dinge und Leute, die mich aufregen und an denen ich mich prima aufreiben kann.
Zum ersten Mal aber: Kein Grund zu gehen. Nicht ausreichend Grund. Nicht bohrend, nicht nagend genug; nicht den Rest überwiegend. Zum ersten Mal: Schaffe ich es zu bleiben. Darüberhinaus: Bin ich so zufrieden, wie ich es immerhin noch nie mit einer Ausbildung und einem Weg war. Immerhin soweit. Was kommt, wird sich zeigen.
Die Ausbildung ist im Moment noch eine gute Mischung aus Darstellung und körperlichen Dingen. Ich fühle mich ohnehin wohler, wenn ich mich angestrengt habe, aller Ungelenkigkeit zum Trotz, und welcher Addy würde behaupten, er könne Koordinationstraining brauchen.
Nun habe ich jene Ausprägung von Hyperaktivität, die sich nach innen richtet: Muskelanspannung bis -Verkrampfung - siehe Fibromyalgie -, Unruhe, vibrierende Füße, sowas. Würde sie sich nicht durch die Fähigkeit zu plötzlichem Anspringen von Körper und Geist auf etwas ab und zu mal zeigen, hielte ich mich für rein hypo. Ich weiß, die Grenzen sind schwierig zu ziehen. Fakt ist: Ich bin introvertiert und habe eine Soziophobie; ADS mit autistischen Zügen. Fakt ist auch: Ich bekomme ziemlich gutes Feedback, wenn ich eine Rolle spielen kann, und fühle mich dann auch sicher. Etwas zum Festhalten, siehe frühere Artikel.
Problem ist: Es scheint nicht zu reichen.
- Darstellungslehrer und Sprechlehrerin sagen, meine Stimme sei zu leise.
- Immerhin: Beide sind der Ansicht, ich könne dran arbeiten. Verbesserung sei da.
- Gesagt bekomme ich es aber immer wieder, mit schnell wachsendem Nachdruck.
- An sich anstrengend, aber in meinem Hochgefühl weiß ich, daß ich dran arbeite und das nicht mit vollkommenem Mißerfolg.
- Mein Darstellungslehrer meinte vor einem Monat, ich hätte immer ein leichtes Lächeln auf den Lippen. Immer aber auch mit einem feinen Hauch Trauer.
- Gestern kam hinzu, daß ich einen "Zuckerguß" auf dem Lächeln hätte. Es wäre etwas "zu süß".
- Ich schätze den Mann u.a. für seine Beobachtungsgabe. Allerdings war ich auch so froh, die angelernten Automatismen schon so weit abgebaut zu haben. Habe ich denn so antrainiert, wie andere Menschen gucken zu können? Habe ich so antrainiert, ja nicht nicht zu lächeln? 'Süß' sein?
Beides kam diese Woche schon sehr gehäuft. Gerade hatte ich auch noch das Feedback des Bewegungslehrers...
- "Zu wenig nach außen" nannte es mein Darstellungslehrer. Auch dem heute fehlte die Präsenz. Ich sei "in mich zurückgezogen." Auch wenn es den Anschein machte einer "Zurückhaltung aus Klugheit" heraus, die nicht falsch wäre.
- Ich solle mehr Körperlichkeit zeigen. Mehr Macho mal sein, "Alphatier" hatte er es bei einem genannt.
- Ich würde mit meiner Art wahrscheinlich Nichen-Rollen bekommen, doch die sind selten. Die meisten Rollen entsprechen einem klassischen -wenn auch vielleicht überholten - Männerbild, welches ich nicht biete."Niche passt nicht in der
Schule. - Außerdem ist die Frage: Willst Du wirklich Nichen
spielen?" - "Vielleicht spielen die
Anderen gar nicht so gern mit Dir, weil sie bei Dir nichts
zurückbekommen." - Gerade, weil es Bewegung ist
und ich weiß, daß da ein Defizit ist, habe ich mich mächtig ins Zeug
gelegt. Jedoch.. "Ich habe von Dir noch nicht wirklich etwas gsehen
oder wahrgenommen. Es macht den Eindruck von nur 30%, auch wenn es für
Dich vielleicht schon 80% sind." Beides.. nicht die Zahl, die meinem
Gefühl entsprach.. - Am Schluß müsse er eine
Bewertung machen. Bisher könnte er das noch nicht, weil er noch nichts
von mir hat.
Ja: Ich habe
auch schon positive Dinge gesagt bekommen. Ja, auch in dem Feedback waren..
drei.. positive Punkte.
Doch die
schreibe ich jetzt hier nicht auf. Weil sie keinen Platz in meinem Bauch gerade
finden. Weil ich quasi vorhin gesagt bekommen habe, daß ich bei den bisherigen
Leistungen fliegen werde.
Klar, in
meinem Kopf ist der Ort, der weiß, daß ich damit jetzt arbeiten und etwas
ändern will und werde. Heute abend habe ich aber weder Lust noch Energie für
den Ort. Heute abend habe ich einfach keinen Boden unter den Füßen. Heute abend
möcht ich am liebsten losheulen. Heute abend würde ich mich verkriechen. Heute
abend fällt mir auf, daß ich jemanden bräuchte, den ich nicht habe. Also lasse
ich mich an Buchstaben aus, statt eine Berührung von einer einzigen Person
zuzulassen, die mich berühren darf.
So ein
langer Text. Dabei hätte doch gereicht: Heute abend: alles Mist. Feedback Ende.
Wider das Vergessen... Wed, Apr 2. 2008
"Die
alten, bösen Lieder,
Die Träume
schlimm und arg,
Die laßt uns
jetzt begraben,
Holt einen
großen Sarg.
Hinein
leg ich gar Manches,
Doch sag ich
noch nicht was;
Der Sarg muß
sein noch größer
Wies
Heidelberger Faß.
Und holt
eine Totenbahre,
Von Brettern
fest und dick:
Auch muß sie
sein noch länger
Als wie zu
Mainz die Brück.
Und holt
mir auch zwölf Riesen,
Die müssen
noch stärker sein
Als wie der
heilge Christoph
Im Dom zu
Köln am Rhein.
Die
sollen den Sarg forttragen
Und senken
ins Meer hinab,
Denn solchem
großen Sarge
Gebührt ein
großes Grab.
Wißt ihr,
warum der Sarg wohl
So groß und
schwer mag sein?
Ich legt
auch meine Liebe
Und meinen
Schmerz hinein."
(Heinrich Heine)

