((Dieser Artikel wurde am Dienstagabend geschrieben. Wie gehabt, halt kein Internet. Weiteres in 2 Wochen.))
Allmählich
werde ich unruhig. Wir hatten heute den ersten Unterricht, doch
dadurch, daß noch so viele Fragen geklärt werden mußten,
blieben von 3 ¼ Stunden nur 25 Minuten übrig. Langsam
möchte ich einen Alltag aber reinkriegen, die Routine, die
gerade genug ist, um mir Organisation zu bieten, ohne langweilig zu
werden. Ich bin gespannt, ob es das geben wird.
Umgekehrt
bin ich so noch immer von Tag zu Tag nervös, was die nächste
neue Stunde bringen wird. Werd ichs können, wie wird’s
ankommen, das Übliche. Immerhin beobachte ich, daß diese
Gedanken tröpfchenweise zu schwinden oder zumindest kleiner zu
werden beginnen. Zum ersten Mal merkt man, daß es den Anderen
oft ähnlich geht, sie in der gleichen Situation stecken und
ihnen auch klar wird, daß wir keinen anderen Weg als einen
gemeinsamen gehen können.
Zugegeben,
das war einer der Punkte, die ich wollte. Schocktherapie Komma
selbstbestellt. Ich, der ich größte Probleme habe, mich
fallen zu lassen, und so unheimlich kontrollsüchtig bin, stürze
mich in eine Ausbildung, in der mich meine Hände nur zusammen
mit denen der Anderen wirklich auffangen können und auf der man
den Seiltanz des Kontrollverlustes (kennen)lernen muß.
Zu
der Übung selbst… Ich kannte sie schon aus früheren
Seminaren und wußte auch, daß sie mir Probleme bereitet.
Beim ersten Mal lief es noch erstaunlich gut. Dann mußte ich
mich auf soviel auf einmal einlassen und, schwupps, flog ich in
bester ADDy-Manier ja sowas von raus und neben der Spur des Ganzen.
Immerhin
habe ich es immer noch halbwegs ohne größere Pannen
hinbekommen. Allerdings… merkte es unser Dozent. Zu meinem
Erstaunen war mir das nicht so schlimm, ebenso wenig, daß er
mich in einem kurzen Satz darauf ansprach. Man muß ihm aber
lassen, daß er dabei eine unheimlich ruhige Art hat. Da ist
nichts Vorwurfsvolles oder Mahnendes dabei, wie es Lehrer gern mal an
den Tag legen. Er nimmt wahr, spricht an, man kann mit der
Verarbeitung beginnen. Ich hoffe, das bleibt so.
Überhaupt
ein ganz besonderer Bonuspunkt: Er läßt sich nichts
vormachen. Von Kindheit an habe ich gelernt, Anderen etwas
vorzuspielen, ein anderes Gesicht zu zeigen, und ich kann durchweg
behaupten, daß ich richtig gut darin geworden war. Ich ekelte
mich deshalb teilweise vor mir selbst, aber ich war richtig gut
darin. So gut, daß es schon zum Automatismus geworden war. In
dem Moment, als mir genau das klar wurde, habe ich es so gehasst, so
schrecklich gefunden, daß ich es ablegen wollte. Um jeden
Preis. Mittlerweile denke ich mir, daß man auch hier wie bei
allem ein gesundes Maß nur lernen müßte. Ich bin mir
aber nicht sicher, ob ich ein solches Mittelmaß überhaupt
noch darin anstreben kann. – Gut, für meinen Beruf sollte ich
es wohl lernen, so spielen zu können. Großes Aber: Dann,
wenn ich es will, nicht, weil es eben passiert.
Dieser
Lehrer jedenfalls, und ich glaube, diese Fähigkeit hat dort
nicht mal er allein nur, sieht dahinter. Sein Blick ist nie wirklich
abwesend. Selbst, wenn er redet, ist er in seinen Augen immer präsent
und blickt umgekehrt einen an. Obwohl er so wenig bisher mit uns zu
tun hatte, scheint er jeden Einzelnen schon – zumindest zu einem
Grad – zu kennen. Darüberhinaus scheint er wirklich
interessiert, jeden Einzelnen auch weiter kennen zu lernen.
Eine
Schule seltsamer Verrückter. Wieder ein Tag, an dem sie wie für
mich gemacht scheint. Ich hoffe weiter, daß es so bleibt.
Morgen
ist der erste Tag mit vollem Programm. Einiges mehr als bisher. Der
nächste Schritt.