In Frankfurt läuft zur Zeit noch das Literaturfest, im Rahmen dessen sich u.a. auch Verlage in kurzen Gesprächen vorgestellt haben. Ich hatte ziemlich kurzfristig davon erfahren, aber das klang doch nach einer Möglichkeit, mal wenigstens ein paar Informationen zu sammeln. Wenn ich Glück hatte, stellte jemand anders die Fragen und ich müßte noch nicht einmal selbst sprechen. Also hin!
Freitag, erster Versuch: Eigentlich ist genügend Zeit und die angegebene Nahverkehrslinie gar nicht so weit von mir entfernt. Dann springt der Uhrzeiger plötzlich eine halbe Stunde nach vorne und ich hetze aus der Wohnung. Gerade noch den Bus gekriegt, puh. Im Bus wird mir dann schlecht. Ich schiebe es auf die Kinetose, die ich noch immer nicht ganz losgeworden bin. Dann fällt mir auf, daß ich mal wieder nichts gegessen habe. Klasse. Das kommt davon, wenn man eine Reizleitungsschwäche hat und das Hungergefühl nicht richtig im Gehirn ankommt. Einen Grund gefunden zu haben lenkt die Gedanken nicht gerade davon ab, also stur die Gegend draußen beobachtet. Jetzt nur nicht aufgeben.
Schon kommen wieder die blöden Gedanken, die mich schon auf dem Weg zum vermeintlich verpaßten Bus überfielen. 'Vielleicht ist das ganz uninteressant.' - 'Wenn ich zu spät komme, werde ich blöd angeschaut.' - 'Vielleicht muß man sich ja mit den Leuten direkt unterhalten. Was sage ich dann?' - 'Vielleicht ja doch besser nicht...'
Weggekämpft und an was Andres gedacht. Leichter gesagt als getan. Endlich, die Haltestelle. Mit wackligen Knien steige ich aus und schau mich um. Klasse, die Hausnummer ist weit und breit nicht zu sehen. Wieder sinken Hoffnungen wie Energie. Gerade, als ich aufgegeben habe, das Haus noch zu finden, entdecke ich ein Straßenschild. Mein Herz hüpft und ohne darüber nachzudenken gehe ich in die Richtung. Das da vorne, das müßte es sein. Mit jedem Schritt sieht es größer aus, laufe ich gegen eine unsichtbare Mauer an. Die Treppenstufen sind schrecklich hoch. Eine Turmuhr läutet: 18 Uhr. Jetzt werden sich in dem Saal die Türen schließen. Die, durch die ich durch muß, um die Veranstaltung noch zu besuchen. Die mit den vielen Leuten dahinter.
Das wars. Ich schaue mir draußen das Programm an und gehe die Querstraße runter. Mir ist zum Heulen zumute. 'Wenigstens weiß ich morgen schon, wo's ist.' versuche ich mich aufzumuntern und die Befürchtung zu vertreiben, daß ich auch da nicht mehr hingehen werde. Ich spaziere den halben Weg zurück. Wenigstens krieg ich noch ein paar Fotos geschossen. Dafür überfällt mich dann zuhause ne leichte Migräne.
Tja... Aaaber: Heute immerhin einen Bus früher bekommen. Nicht aus Hunger, aber aus Lernerfahrung heraus vorher noch etwas Essen runtergewürgt. Also: Keine Probleme im Bus trotz der langen Fahrt. Den Fußweg dann auch schon von gestern gekannt. Aber auch die bösen Treppen. Ich hab wieder Angst reinzugehen, aber noch weniger will ich das Gefühl, wenn ichs nicht tue. Also ein Fuß vor den anderen geschoben und rein. Jubel, ich bin im Foyer. Auch noch erster Stock. Aber auch das klappt. Die Frau an der Kasse guckt etwas komisch, weil ich kein Wort sage. Wenigstens funktioniert meine Konditionierung und ich lächle sie gewinnbringend an. Das wirkt. Da ich meine eigene Stille gemerkt habe, kriege ich dann auch ein freundliches "Danke" heraus, als ich die Eintrittskarte bekomme. Rein in den Raum. Ein Platz gefunden, an dem ich was sehen kann und trotzdem nahe dem Ausgang bin. Mikros zeigen an, daß es ein moderiertes Gespräch ist. Ich atme auf und kann meiner Neugierde freien Lauf lassen. Geschafft!
Die Vorstellung war übrigens sehr interessant. Nicht absolut tiefgreifend, aber mit schönen Informationen. Außerdem kenne ich jetzt die Wissenschaftslektoren des Suhrkamp-Verlags und weiß, daß hauptsächlich von ihrer Entscheidung die Akzeptanz eines Manuskripts abhängt. Vielleicht habe ich ja mal eins für sie. 
Ab nächstem Jahr gibt es eventuell monatliche Verleger-Gespräche. Ich glaube, dann sind die Treppen auch nicht mehr so hoch.