Jemand anders... Tue, Jan 30. 2007
... schreibt diese Artikel... Seltsam, daß sie so sehr treffend und bekannt klingen...:
ADDblue: Muschel, Position Beobachter
Woran liegt das? Ich schätze, es gibt noch viele, die sich damit so sehr angesprochen fühlen. Woran liegt das? Ist das das ADS? Oder eine Traumatisierung, die wir - vielleicht dadurch - erfahren haben? Oder ist es die schizoide Charakterveranlagung, die ich laut einer Psychologin habe? Keine Erkrankung. Nur vom Persönlichkeitstyp her... Ist das der Anfang der Geschichte? Oder ihr Ende? Oder nur ein Beiwerk des Ganzen?
Gibt es so wirklich keinen Weg da raus? - Will ich da raus? Ich fühle mich eigentlich ganz wohl in mir... Doch da sind Dinge, die ich tun will, die ich erleben will, für die ich mich wohl raustrauen muß. Für die ich ein paar Schritte draußen machen können muß. Ich wünschte, es wäre jemand da, der mir laufen beibringt.
Glamour Wed, Jan 10. 2007
Im Rollenspiel "Changeling" gibt es eine Kraft, eine Energieform, die 'Glamour' genannt wird. Sie erscheint manchmal unfaßbar, schwer zu beschreiben und ebenso schwer zu begreifen. Diese Energie ist quasi der Lebensfunken der Changelings, ihre Magie basiert darauf. Es heißt, es entsteht, wenn die Menschen träumen, etwas sie zum Träumen anregt...
Ich habe heute "The Prestige" gesehen. Ein interessanter Film mit guten Schauspielern. Darum geht es gerade aber nicht.
Da kam ein Satz vor. Worum es wirklich geht bei der Show: Den Glanz in den Augen der Menschen.
Ich hatte darauf gewartet, daß ich einmal von jemand anderem höre, was es ist, daß mich antreibt. Worum es mir bei den Geschichten geht.
Seit langem war mir schon klar geworden, daß ich kein guter Therapeut bin, weil es mir nicht um die Menschen an sich geht. Weil ich ein seltsames Gefühl bekomme, wenn sie mehr als einmal in meine Sprechstunde kamen. Also ich die erste Folge "Dr. House" sah, hatte es dort jemand für mich in Worte gefasst: Wie eine Erkenntnis beobachtete ich jemanden, wenn auch nur eine Figur, die genau so fühlt. Wenngleich ich nicht ebenso verbittert und misanthropisch bin, habe ich doch meine Ansätze, je nach Stimmung, den Menschen keine Gefühle entgegenbringen zu können.
Ja, ich freue mich, wenn ich dafür sorgen kann, daß es ihnen besser geht. Es ist schön, wenn es das tut. Aber mir persönlich gibt es nichts. Was mich wirklich an meinem Beruf gereizt hat, ist, das Rätsel zu lösen. Das Mittel, die Therapie zu finden, die ihnen eben helfen kann. Die Anwendung der Therapie ist beim ersten Mal noch interessant. Vielleicht beim zweiten auch. Bis man weiß, ob und was das richtige Mittel ist. Ich war auch ziemlich gut darin, dieses zu finden. Doch dann... Dann wurde es schal. Selbst, wenn die Behandlung noch nicht beendet war. Etwas stimmte nicht mehr.
Dann sah ich Dr. House... und fühlte mich ertappt. 'Ihn interessieren die Rätsel, nicht die Menschen." Ist das menschenverachtend? Jedenfalls ist es real.
Das Einzige, was mir sonst noch etwas gegeben hat, war, den Glanz in ihren Augen zu sehen, wenn es ihnen besser ging. Nicht Dankbarkeit. Nicht der Erfolg, in gewisser Weise nicht einmal ihre Freude darüber. Nein, dieser unbeschreibliche, überflutende Glanz.
Um ihn geht es mir, wenn ich schreibe. Um ihn ginge es mir, wenn ich Geschcihten produziere, egal, in welcher Form. Mich interessieren keine Dokumentationen oder wahre oder gefälschte Nachrichten. Es gibt genügend, die so etwas machen können und es sei ihnen vorbehalten. Es geht mir um den Glanz. Das Strahlen in ihren Augen, und sei es nur für ein paar Sekunden. Er ist kostbarer als alles andere.
Weihnachten Sat, Dec 23. 2006
Ich weiß ja nicht, ob das hier jemand liest. Aber da ich bis morgen eh nicht noch mal dran komme, jetzt schon mal allen
FROHE WEIHNACHTEN! Möglichst wenig Streß, dafür viele Geschenke und Leute, die einem wirklich etwas bedeuten, davon nicht zu viele auf einmal.
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A crazy dream Sat, Dec 23. 2006
Wie ich schon sagte, ich habe keinen Ausweg mehr gesehen. vorgestern beging ich dann dafür eine Verzweiflungstat der besonderen Art: Keine Ahnung, ob und wenn ja, warum, ich daran noch nicht gedacht hatte. Aber ich durchkramte die Unis von Österreich nach den verheißungs- (oder verhängnis-?)vollen Bereichen. Es war nur ein Gedanke, doch dann fesselte er mich bis in die Nacht hinein an den Computer.
Denn auf der ersten Seite fand ich nur ein Mindest-, kein Höchstalter. Bei der nächsten ebenfalls. Dann nicht mal das...
Ehe ich es mir anders überlegen würde, schrieb ich die erste Uni an. Im Rausch dann auch die nächste, bis alle 4 eine Mail von mir hatten. Ich wagte kaum zu hoffen, noch dieses Jahr eine Antwort zu bekommen. Oder zu fürchten...
Doch gestern waren drei Antworten da. Die Privat-Uni verweist mich zur Beantwortung auf die Seiten, wo ich schon vorher nicht fündig wurde. Hrm. Na gut, in einer Kopf-stillen Stunde mal suchen. Dann aber noch eine Antwort? Und noch eine? Ich schluckte heftig und klickte auf die erste. "Für die Zulassungsprüfung nur Mindestalter, kein Höchstalter." blinzel Die nächste. "Keine Altersbeschränkung."
Bevor ich es verhindern konnte, war ein Freudenschrei über meine Lippen geflogen. Dann griffen aber meine üblichen Gedanken.
Eine fremde Stadt, noch dazu in einem anderen Land. Alle Leute, die ich kenne, wo ich mich vielleicht mal verstecken könnte, zurücklassen. Geld verdienen, um das bezahlen zu können. Meiner Mutter das klar machen. (Durch meine Vergangenheit bin ich hyperübervorsichtig mit ihr) Und dann, natürlich... Zulassungsprüfung.
Was, wenn ich durchfiele? Was, wenn ich merke, daß es doch nicht das Richtige ist? Wo es doch das Einzige ist, was mir bleibt. Was, wenn ich dann keinen Job kriege? Und immer wieder: Was, wenn ich nicht gut genug bin?
Statt schlafen zu können, kam wenigstens mal wieder ein Blog-Eintrag zustande. Diesmal würde ich mich über Kommentare freuen. Glaube ich. ;-}
Music-makers Sat, Dec 23. 2006
Spannenderweise war es eben diese Vernunft, mein Verstand, der mich nicht zum ersten Mal zwang, mich zu erinnern. Mich an meine Gefühle erinnerte. An das, was wir sind. Glaube ich...
"We are the music-makers
and we are the dreamers of dreams.
Wandering by lonely sea-breakers
and sitting by desolate streams.
World-losers
and world-forsakers,
on whom the pale moon gleams.
Yet we are the movers and shakers
of the world, forever, it seems.
With wonderful deathless ditties
we built up with world's great cities.
And out of a fabulous story
we fashion an empire's glory.
One man with a dream
at pleasure shall go forth and conquer a crown.
And three, with a new song's measure,
can trample an empire down.
We, in the Ages lying,
in the buried past of the earth,
built Niniveh with our sighing,
and Babel itself with our mirth.
And o'erthrew them with prophesying
to the old of the new world's worth.
For each age is a dream that is dying
or
one that is coming to birth."
aus: Dead Poet's Society
Es klingt nicht so unpassend. Oder?
Hör endlich auf, rumzuerbärmeln! Sat, Dec 23. 2006
Wenn man so etwas zu sich selbst denkt, läuft was falsch.
Und falsch läuft ganz eindeutig was. Das fällt mir jetzt auf, wo ich nach zwei Wochen Ruhe schon wieder erkältet bin. Das fiel mir die letzten Tage auf, wo ich dauernd mit brummenden Schädel aufgewacht bin und die Zeit verbracht habe. Wo ich nicht einmal die Kraft hatte, engste Freunde zu besuchen, die ich schon sehr vermisse. Obwohl ich normalerweise zwar mittlerweile mal über mich reden, nicht jedoch über die Lippen bringen kann, daß es mir schlecht geht, hatte ich vor zwei Tagen das für mich deutlichste Anzeichen: Ich beendete den Satz eines Freundes "Du machst ja im Moment..." mit "Mist." Auf seine Irritation hin bestätigte ich meine Aussage und Erkenntnis nochmal, obwohl es mir den Hals zuschnürte: Ich mache Mist. Mist. Mist. Mist. Nichts anderes ist es in meinen Augen. Nach nichts anderem fühlt es sich an.
Ich habe es geschafft, mein Erspartes durchzubringen. Ich war sicher kein Millionär, aber es war nicht die kleinste Summe, und doch ist es futsch. Die gängige Definition von Kaufsucht greift wohl bei mir nicht, denn ich kaufe nicht wahllos, was mir in die Finger kommt. - Oder wäre das nur das letzte Stadium? - Was kaufe ich? Mal ein Computerspiel, okay. Mal gehe ich gerne essen. Ich mag es, auch mal bedient zu werden. Aber was steht bei mir in Mengen herum? DVDs, Bastelkram. Bücher!
Die DVDs sind relativ ausgewählt: Tiefgehende Filme, gute, welche, bei denen mich das Beiwerk interessiert. Warum? Weil ich wissen will, wies geht. Weil es mich fasziniert. Schau ich sie an? Kaum.
Bastelkram... Ich könnte malen, zeichnen, Puzzlen, Dioramen bauen und - zugegeben - mit einem Kinderbastel-Set Drachenkerzen formen. Mache ichs? Natürlich nicht.
Bücher. Worüber? Ihr werdet es halb raten können, oder? Bücher über Film, Theater, Autorentum, Kunst, Regie und Schauspielkunst. Dazu etwas Medizin, Geschichte und Magie, natürlich über ADS und Asperger, Lernbücher, Wörterbücher, gespickt mit ein paar Lexika und Fach-/ Sachbüchern zu Themen, die für mich (und wahrscheinlich nur für mich und Leute, die auf dem ADS-Blog schreiben) zur Allgemeinbildung zählen. Ich oute mich: Es ist auch ein Rechtsbuch und eins über Wirtschaft. Meine Irrwege führten dran vorbei.
Was davon habe ich nun gelesen? Einen Bruchteil. Doch ich brauche keinen Psychologen, um nicht selbst längst erkannt zu haben, wofür sie da sind: Etwas in mir will kaufen, was es nicht haben kann. Was es nicht kann. Hoffentlich noch nicht kann. Ich kann keine Filme machen? Dann kaufe ich mir welche, plus die Beschreibung, wie sie gemacht wurden. Ich kriege kein Buch zustande? Ich habe ein halbes Dutzend Erklärungen, wie es ginge. Ich bin zu alt für eine Schauspielschule? Ich habe die Bücher von Stanislawski. Ich kann nicht malen? Warte, ich kann Dir zu jedem Thema zeigen, wos steht.
Alles, was mich berührt, steht um mich herum. Doch tut es nur das. Es steht herum, unfähig, mich wirklich zu berühren, in mich zu dringen, ich unfähig, die Hand danach auszustrecken.
Stattdessen mache ich Mist. Das Geld, das mir erlaubt hätte, alles aus einer ruhigen Position heraus zu betrachten, ist futsch. Noch ehe ich die Ruhe zur Betrachtung gefunden habe. Ich sah es kommen, sowohl den Geldmangel, als auch die Ruhe, die immer einen Schritt von mir entfernt bleibt.
Ich hatte mich dazu durchgerungen, mich endlich doch für Schauspiel oder Regie bewerben zu wollen. Nur, um zu sehen, daß es Höchstalter gibt und leider nur die Jungen, die nicht wissen, was sie verpassen, wenn sie glauben, vernünftig zu sein, genommen werden. Also warf ich hin, was noch von meinem Interesse an meinem erlernten Beruf übrig war, und bewarb mich für TFM. Zu meiner Überraschung wurde ich genommen! Ein Zeichen!
Ja. Das Studium gefällt mir. Der Kommentar zu meiner allerersten Hausarbeit? "Wer bei so etwas schon so schreibt, der sollte schreiben." Wow. (Keine Frage, natürlich mache ich es nicht.) Das Studium hat interessante Inhalte, wirklich.
Doch merkte ich bald, daß mir etwas fehlt. Mir fehlt die Praxis. Ich sehnsüchtle noch einer Bühne hinterher, der Filmarbeit, dem Schaffen von Werken, die Menschen zum Träumen bringen. (Gleichzeitig frage ich mich sofort, ob es nicht die Sehnsucht ist, nach der ich mich sehne, und der Traum vorbei wäre, würde er wahr...)
Aber was soll ich tun? Seit ich das Studium begonnen habe, hatte ich nicht eine wirklich komplette Idee. Sonst quollen immer die Texte nur so aus mir heraus, seit Studienbeginn nicht einer. Um mich beim Film zu bewerben, fehlt mir der Mut zu telefonieren, zum Schauspiel fehlen mir Mut und Geld. Oder die Zuversicht, es trotz des mangelnden Geldes zu versuchen. Also wieder der Mut.
Zweifel und Furcht sind mir vertraute Gefährten. Doch je genauer ich sie erkenne und kennenlerne, desto immanenter scheinen sie zu werden.
Gut, ich könnte das Studium so weiterführen. Immerhin geht es mir, das habe ich gemerkt, sowohl um den Inhalt des Studiums, als auch darum, einen Abschluß zu machen. Einen, den ich wirklich und mir selbst verdient habe. Für den Anfang hätte mir sogar ein Abschluß des Grundstudiums gereicht. Er hätte gereicht, aber er ist mir verdammt nochmal so wichtig.
Dank meiner vorherigen Irrungen gelte ich als Langzeitstudent. Das waren seit Beginn des neuen Studiums Gebühren, mittlerweile bin ich bei 1145 Euro im Semester. Sollten die Gebühren nächstes Wintersemester so durchkommen, wie sie angedacht waren, dann sind es 2645. Dazu die Lebenshaltungskosten und das eine oder andere Problem... Ich weiß immer weniger weiter.
Vor ein paar Wochen habe ich beschlossen, Vollzeit zu arbeiten, um wenigstens meine laufenden Kosten zu decken. Leider bekam ich nicht ganz die Stelle, die ich wollte (Sie hätte mir ermöglicht, wenigstens abends noch Seminare zu besuchen). Aber immerhin sitze ich jetzt nicht auf der Straße, sondern hatte das Glück, im Kino Vollzeit arbeiten zu können. Wenigstens etwas Geld. Dafür keine geregelte Arbeitszeit. Miete. Aber kein Studium mehr. Das Notwendige. Dafür nicht das Wichtige.
Was tue ich jetzt? Bis vorgestern wußte ich überhaupt nicht mehr weiter. Ich wußte nur, daß es falsch ist. Daß es verdammt falsch läuft. Ich habe mich gefragt, warum ich nicht einfach mich der Situation hingebe. Mich bemühe, wieder in meinem erlernten Beruf (was heißt 'wieder'..) zu arbeiten und Geld zu verdienen. Einfach in Ruhe vor mich hinleben zu können. Die Antwort würgte mich. Damit wäre es vorbei. Ganz gleich, ob es mir gelänge - was nicht sicher ist, okay - oder nicht, es wäre vorbei. Wofür sollte ich dann noch leben. Dann gäbe es keinen Grund mehr. Keinen Sinn. Nur noch die Leere, die das Ende ist.
Es war mein Verstand, der mich von diesen Gedanken abhielt. Man nennt es einen schizoiden Charaktertyp laut irgendeines Psychologen, den ich raussuchen müßte. Überleben. Es bildet sich in der Kindheit aus. Man überlebt sie. Manchmal kommt es einem wie ein Fluch vor. Aber ich bin froh darum. Denn es sichert mein Überleben. Ich will leben.
Ich muß nur noch für mehr gute Gründe sorgen.
"Theater, das ist wie ein Rausch..." Thu, Nov 23. 2006
... sang Katja Ebstein vor einigen Jahren.
Es ist seltsam. AG Theater. So unsicher ich dabei auch bin, nervös, teilweise ängstlich, das ganze bekannte Programm. Wenn wir Übungen machen, war es am Anfang sehr schwierig, gerade die Improvisationen. Doch mit jedem Mal wird es besser. Ich merke vor allem auch, wie es mir außerhalb hilft. Ab und zu mal. Aufrechterer Gang, keine Verlegenheitsbewegungen. Naja, weniger.
Am spannendsten war es jetzt aber bei dem ersten Proben. Frisch den Text bekommen, noch keine feste Rollenverteilung. Natürlich habe ich mich nicht davon abhalten können, mich lange genug im Hintergrund zu halten, bis alle wirklichen Sprechrollen verteilt waren. Doch dann war der Akt durch und es wurde beschlossen, daß die Restlichen diesen nun spielen sollten. Ein Glück, daß mich der Zufall so reingelegt hat!
Bald war ich in den Text reingerutscht und damit in eine Art seltsamen Fokus. Wie beim bekannten Hyperfokus war die Welt außerhalb meistens fort und es blieb nur das Spiel. Darin aber nahm ich mein Gegenüber, die Figur, wahr. Hatte Worte und Gefühle einer eigenen Figur, an die ich mich halten konnte, und damit eine ungekannte Form von Sicherheit.
Auch anschließend hörte die Wirkung nicht gleich auf. Zwar kam ich aus dem Fokus heraus, doch hielt ein kleines Schweben noch eine Weile an, eine... Entspannung, wie ich sie noch nie gefühlt habe. Unbeschreiblich. Wundervoll.
Leider ist das ein paar Tage her. Ich weiß nicht, wie ich bei der Gruppe weitermachen soll, denn die Zweifel sind da, ob ich tatsächlich eine Rolle übernehmen und durchhalten könnte. Ob auch in der Streßsituation weiterer Proben und schließlich Aufführungen mein Kopf so bleiben und nicht alles einmal mehr über die Kanten ins Nichts kippen würde.
Und doch... dieses Gefühl...
Check Thu, Nov 23. 2006
Ja.. Was mich am meisten davon abgehalten hat, ein Blog anzufangen, war, daß ich wußte, daß ich es nicht regelmäßig führen würde. Also ärgere ich mich doch selbst damit, oder? Oder ich gebe mir die Chance, ich zu verbessern. *auf Datum schau*... Mit der Zeit. Vielleicht viel Zeit.
Aber immerhin, hier entsteht ein kleiner neuer Artikel. - Check.
Mal sehen:
Ich wollte bei den SOKO-Leuten anrufen. Hab ich mich getraut? Nein, natürlich nicht. - No check.
Immerhin habe ich mir ein Referatsthema besorgt. Mir ist klar geworden, daß es mir viel bedeuten würde, wenigstens das Grundstudium zu beenden - Check. Daß es dank der Studiengebühren wahrscheinlich nicht möglich ist... naja, gehört nicht in die Checkliste.
Ich hab nen Job... Zu viele Leute, deutlich, aber die Mitarbeiter sind nett und, naja, ich brauche das Geld so oder so. Also: Check.
Ich komme nicht dazu, zu lernen, zu malen, zu... alles Mögliche, was ich eigentlich tun will. - Uncheck.
Aaber: Ich bin in einer Theatergruppe dabei und die Übungen tun mir richtig gut! - Checkcheck!
Auch, wenn ich es nicht schaffe, den richtigen Schritt zum Beruf zu finden und zu tun. Wenn ich mir die Ohren zuhalte vor den dummen Bemerkungen einer doofen Flüsterstimme, dann kann ich aber dran glauben, daß ich noch Zeit dafür habe.
5:2. Ist nicht schlecht als Bilanz. Wenn sie auch genauso etwas getürkt ist wie die meisten.
Lügengesicht Thu, Oct 19. 2006
Ich habe einen Lebenslauf, dass es einem Amerikaner einen prima Job bringen und ich mit Howie Manson verwandt sein könnte. Da dazu nicht nur verschiedene Jobs und eine Lehrstelle, sondern eben auch ein Studium mit wechselnden Nebenfächern gehört, falle ich unter die Studiengebührenverordnung. Der Sinn dieser Einrichtung kann an anderer Stelle diskutiert werden. Auswirkung davon jedenfalls ist, dass ich zur Zeit 1145 Euro
im Semester für den Besuch einer staatlichen Universität bezahlen darf. Sollten die neuen Gebühren wie angedacht durchgesetzt werden, erhöht sich das auf 2645 Euro. Monatlich also 190 bis dann 440. Selbst, wenn man mit Studentenjobs mehr als 6 Euro/ Stunde verdienen würde, eine stattliche Summe, die auch ein Normalverdiener nicht mal einfach so aufbringen könnte, oder?
Die letzen Semester habe ich die
Gebühren irgendwie aufgebracht. Auch dieses Wintersemester wieder. Entsprechend
sieht mein Konto aus und ich war sogar unvernünftig genug, dass ich mir echte
Gedanken um meine Miete deswegen machen muß. Jetzt habe ich gelesen, dass bei
einer chronischen Erkrankung die Gebühren gemindert oder erlassen werden
können.
Chronische Erkrankung… Ich komme
mir immer saublöd vor, wenn ich mich so einstufe, obwohl es objektiv gesehen ja
richtig wäre. Dieses Wissen hilft aber nur dahingehend, sich auch noch blöd zu
fühlen, weil man sich blöd fühlt. Sehr sinnvoll. Immerhin kann ich ja aber
neben ADS und einer Stoffwechselstörung auch noch etwas anderes anführen…
„Seit meinem 5. Lebensjahr leide
ich unter schwerer Migräne und Fibromyalgie. Hierdurch entstanden immer wieder
Fehlzeiten, die mir einen Scheinerwerb in meinem früheren Studium, Geschichte,
kaum möglich gemacht haben. Nun hat sich endlich wenigstens die Migräne
gebessert. Die Fibromyalgie besteht mit Begleiterkrankungen leider noch immer,
was von mir durch Medikamenten und Therapie aber in relativem Zaum gehalten
wird. Unter diesen Voraussetzungen hätte ich nun endlich die Aussicht auf einen
Abschluß meines Studiums, was mir sehr viel bedeutet.“
… stand so also in der Email, die
ich an das zuständige Referat geschrieben habe mit der Bitte um Klärung, ob ich
eventuell für eine Minderung in Frage käme. Ich will ja studieren, ich will
endlich einen Abschluß machen, ich bin ja bereit, dafür zu bezahlen.
„Aufgrund der Komplexität der
Materie empfehle ich Ihnen einen Besuch in
unserer Sprechstunde.“ hieß es in der Antwort. Ohne jegliche Anrede. Vielleicht
ist das ja neue Internetkultur, die an mir vorbeigegangen ist. Aber immerhin,
vielleicht macht sich da jemand Gedanken. Dachte ich. Bin auch tatsächlich
hingegangen und hab den kleinen Mann im Ohr lang genug ignoriert, um
dranzukommen.
Der Mitarbeiter im Referat war
durchaus freundlich. Er hat meine Daten aufgerufen und mir gesagt, dass ich schon
Gebühren bezahle. Stimmt. Er hat mir gesagt, dass ich schon viele Semester
habe. Stimmt. Das mit der Mail nahm er mit einem Nicken zur Kenntnis. Und
schaute nach, seit wann ich studiere. Ich sei doch schon mal dagewesen und
hätte ein Semester für einen Fachwechsel angerechnet bekommen. Aha? Ich habe
einmal dort angerufen, weil ich noch keine Rückmeldeunterlagen geschickt
bekommen hatte. Von einer Anrechnung wusste ich nichts.
Daraufhin sagte er mir, dass eine
Anrechnung nur bei chronischen Erkrankungen, wegen derer man länger studieren
müsste, in Frage kommt. Äh, ja.. Soweit waren wir schon. Ich wies ihn nochmals
auf den Inhalt meiner Mail hin, erzählte nochmals „seit dem 5. Lebensjahr…“
etc. Ja… Es würden aber nur schwerwiegende Erkrankungen zählen, klärte er mich
auf. Achso. Außerdem bräuchte man dann eine Bestätigung vom behandelnden Arzt.
Achso. Bilde ich mir ein, dass Blick und Stimme eindringlicher werden? Ich sage
ihm, dass das natürlich kein Problem sei und unterdrücke die Anmerkung, dass
ich dafür bei dieser Laufbahn nicht gerade das erste Mal zu einem Arzt müsste.
Der Arzt müsse das dann
bestätigen und schreiben, warum ich länger für das Studium bräuchte. Es müsste
eine schwerwiegende chronische Erkrankung sein. Ups, ich bin in einer
Matrixschleife gefangen. Ich habe ja auch schon lange studiert und schon
bezahlt.
Immerhin sagt er mir dann, dass
es sich sowieso nur auf schon bezahlte Semester auswirken könne und ich
vielleicht das erste zurückbekäme, wenn. 500 Euro, besser als nichts.
Aber nur, wenn…
*ächz*
Was solls. Ich kanns verstehen.
Ich kann verstehen, dass er bestimmt häufig Leute hat, die da einen Nepp
versuchen. Daß ich nicht unbedingt leidend aussehe und das muß man ja wohl,
wenn es einem nicht gut geht, oder?
Mein Lieblingsarzt hat es einmal
gut zusammengefasst: „Es ist schwierig, jemandem anzusehen, wie es ihm geht,
wenn er so strahlen kann.“
Selbst, wenn ich will, kostet es
mich Mühe, es abzustellen. Wenn ich ehrlich sein will. Vorspielen konnte ich
schon immer gut. Hätte mir der Kerl wirklich eher geglaubt, wenn ich
mitleidserregend kaputt ausgesehen hätte? Wenn man sein halbes Leben gelernt
hat zu lügen, ist es irgendwann ein Reflex. Ich arbeite hart daran, es nicht
mehr zu tun. Hart daran, dass mein Gesicht nicht mehr automatisch ein Lächeln
aufsetzt. Kein Lügengesicht mehr ist.
In einer SHG war mal ein sehr
sympathischer Teilnehmer. Er strahlte die ganze Zeit und steckte die Leute so
richtig mit seiner guten Laune an. Bei der Vorstellung meinte er, ihm ginge es
ziemlich gut. ‚Das Übliche eben’. Nach mehrmaligem Nachfragen ging er endlich
ins Detail: „Naja. Mal so, mal so. Ab und zu mal Selbstmordgedanken, ansonsten
gut.“ Das Übliche eben.
Es ist so schwierig, das
abzustellen… Aber auf der anderen Seite…
Wo ist das Problem? Woran krankt
es, wenn man Ärzte und andere, die eigentlich helfen sollten, beraten sollten,
davon überzeugen muß, dass es einem schlecht geht? Daß man vielleicht etwas
hat, das aus ihrem Erfahrungsschatz herausfällt? Daß man etwas anderes tut, als
allen zu zeigen, wie bescheiden es einem geht?
Was bedeutet es, wenn man von
Patienten erfreut angeschaut wird, wenn sie hören, dass man selbst Migräne
hatte? Wieviele haben ihnen schon gesagt, dass sie sich ihre Krankheit
einbilden?
Ein Arzt hat mich mal
angestrahlt: „Herzlichen Glückwunsch! Sie sind gesund! Sie haben absolut keinen
Grund, Migräne zu haben!“ Achso. Ja, dann. Was erwartet so jemand? Daß man ihm
um den Hals fällt, weil er einen über dieses Missverständnis aufgeklärt hat und
ab da anfallsfrei ist? Oder dass man sich zu blöd vorkommt, als dass man sich
traut, noch einmal einen Anfall zu haben?
„Ich habe Sie jetzt zwanzig
Minuten beobachtet und sie waren nicht einmal unaufmerksam! Wie können Sie
behaupten, Sie hätten ADS?!“ Achso. Gut. Beruhigt lehne ich mich zurück, bin ab
jetzt gesund und ein regelgerechter Sammler.
First steps... Mon, Sep 25. 2006
In Frankfurt ist zur Zeit die Edit. Eins muß man der Stadt lassen, viele Möglichkeiten bietet sie ja. Theoretisch. Wenn man hingeht.
Samstag und Sonntag habe ichs nicht geschafft. Naja, immerhin, ich war bei dem Verlagsgespräch. Aber heute, tadaaa! Von morgens an. Gut, mal wieder Essen vergessen. Schnell in einer Pause besorgt, wenn es auch mein tägliches Budget somit mal wieder gesprengt hat. Besser, als wenn mein Schweinehund eine Ausrede fürs Gehen findet.
Die Vorträge waren eigentlich allesamt super interessant. Einmal mehr kam mir die Erleuchtung "Das willst Du machen!". Gut. Aber wie? Ich versuchte, Grübeleien über meine fehlende Ausbildung, mein Alter und meine Geldsorgen zu verdrängen, um weiter den Redner folgen zu können. Aber da sind die Probleme ja schon. Auf der einen Seite denke ich mir: Hey! Ich habe das Potential, um in der Branche wirklich gut sein zu können! - Nur die blöden Abers. Unsicherheit. Und nicht zuletzt: Dafür muß ich den Mund aufkriegen. Wenn ichs mal schaffe, kostet es mich sehr viel Energie. Ich weiß noch keine Lösung. Vielleicht würden sich alle 5 Probleme auf einmal verabschieden, wenn ich.. ja, wenn ich.
Bei dem Vortrag von Keith Cunningham bekomme ich noch einmal die Bestätigung mit der Kelle. Ich kann nicht verstehen, wie die Teilnehmer, die sich melden, so blind sein können gegenüber den Effekten im Subkontext. Das ist doch alles klar ersichtlich. - Ja. Aber die melden sich.
Irgendwie komme ich auf die Idee, die Dozenten der FH Darmstadt in der Pause anzusprechen und tus sogar. Was sie erzählen, klingt gut, obwohl ich mir nie einen technischen Studiengang vorstellen konnte. Aber demnächst soll es da einen neuen geben. Herstellung von Filmmedien in all seiner Form. Myummi. Wermutstropfen: Studiengebühren gelten auch für sie. Schade. Da mich mein Kopf über Jahrzehnte mit ADS, Stimmungsschwankungen, Schweinehund, vor allem aber mit Migräne davon abgehalten hat, ein Studium richtig durchzuziehen, falle ich unter die Kategorie Langzeitstudent. Im Moment sind das in Frankfurt 1145,- Euro pro Semester. Wenn sie tatsächlich die Änderung wie geplant durchziehen, bin ich bei 2645. Damit wäre es aus mit TFM und das von der FH auch keine Alternative. Im Hinterkopf kann ichs trotzdem behalten. Und seis, um mich zu ärgern. ;>
Noch mehr interessante Vorträge später trete ich mich in einer Pause, zwei Leute anzusprechen. Während meine Aura sich an einer Wand festkrallt, gehe ich zu ihnen, bevor ichs mir anders überlegen kann. "Gibt es Möglichkeiten, als Quereinsteiger bei Regie oder Schnitt in die Branche reinzukommen?" - Überraschung: Sie antworten total freundlich und überlegen darüber hinaus nach Möglichkeiten. Das "Ruf dort einfach mal an und..." klingt so einfach, daß es sich wirklich schrecklich anhört. Super nett, das muß man ihnen lassen. Ich bedanke mich freundlich und gehe in den nächsten Vortrag, um nicht zu hyperventilieren.
Dieser Vortrag war ein Interview mit Terry Gilliam, der auf dem Festival auch ausgezeichnet wurde. Seine Filme sind nicht ganz mein Geschmack, aber ihn finde ich im Gespräch klasse. So locker würde ich auch gern sein, aber vor allem sollte jemand mit seiner Art doch irgendwie Hoffnung machen...
Der Rat der beiden Profis hallt noch nach. Morgen sind auch noch Recruitment-Stände da. Was könnte ich denen sagen? "Hallo. Ich habe keine Ahnung von dem Job, aber ich will ihn machen. Bin ich dabei?" Hm. Eins von beiden, Stände oder Anruf, wären doch mal was.
... Ich habe Angst, daß ich Ende der Woche keins von beidem getan habe...
Geschafft! Sat, Sep 23. 2006
In Frankfurt läuft zur Zeit noch das Literaturfest, im Rahmen dessen sich u.a. auch Verlage in kurzen Gesprächen vorgestellt haben. Ich hatte ziemlich kurzfristig davon erfahren, aber das klang doch nach einer Möglichkeit, mal wenigstens ein paar Informationen zu sammeln. Wenn ich Glück hatte, stellte jemand anders die Fragen und ich müßte noch nicht einmal selbst sprechen. Also hin!
Freitag, erster Versuch: Eigentlich ist genügend Zeit und die angegebene Nahverkehrslinie gar nicht so weit von mir entfernt. Dann springt der Uhrzeiger plötzlich eine halbe Stunde nach vorne und ich hetze aus der Wohnung. Gerade noch den Bus gekriegt, puh. Im Bus wird mir dann schlecht. Ich schiebe es auf die Kinetose, die ich noch immer nicht ganz losgeworden bin. Dann fällt mir auf, daß ich mal wieder nichts gegessen habe. Klasse. Das kommt davon, wenn man eine Reizleitungsschwäche hat und das Hungergefühl nicht richtig im Gehirn ankommt. Einen Grund gefunden zu haben lenkt die Gedanken nicht gerade davon ab, also stur die Gegend draußen beobachtet. Jetzt nur nicht aufgeben.
Schon kommen wieder die blöden Gedanken, die mich schon auf dem Weg zum vermeintlich verpaßten Bus überfielen. 'Vielleicht ist das ganz uninteressant.' - 'Wenn ich zu spät komme, werde ich blöd angeschaut.' - 'Vielleicht muß man sich ja mit den Leuten direkt unterhalten. Was sage ich dann?' - 'Vielleicht ja doch besser nicht...'
Weggekämpft und an was Andres gedacht. Leichter gesagt als getan. Endlich, die Haltestelle. Mit wackligen Knien steige ich aus und schau mich um. Klasse, die Hausnummer ist weit und breit nicht zu sehen. Wieder sinken Hoffnungen wie Energie. Gerade, als ich aufgegeben habe, das Haus noch zu finden, entdecke ich ein Straßenschild. Mein Herz hüpft und ohne darüber nachzudenken gehe ich in die Richtung. Das da vorne, das müßte es sein. Mit jedem Schritt sieht es größer aus, laufe ich gegen eine unsichtbare Mauer an. Die Treppenstufen sind schrecklich hoch. Eine Turmuhr läutet: 18 Uhr. Jetzt werden sich in dem Saal die Türen schließen. Die, durch die ich durch muß, um die Veranstaltung noch zu besuchen. Die mit den vielen Leuten dahinter.
Das wars. Ich schaue mir draußen das Programm an und gehe die Querstraße runter. Mir ist zum Heulen zumute. 'Wenigstens weiß ich morgen schon, wo's ist.' versuche ich mich aufzumuntern und die Befürchtung zu vertreiben, daß ich auch da nicht mehr hingehen werde. Ich spaziere den halben Weg zurück. Wenigstens krieg ich noch ein paar Fotos geschossen. Dafür überfällt mich dann zuhause ne leichte Migräne.
Tja... Aaaber: Heute immerhin einen Bus früher bekommen. Nicht aus Hunger, aber aus Lernerfahrung heraus vorher noch etwas Essen runtergewürgt. Also: Keine Probleme im Bus trotz der langen Fahrt. Den Fußweg dann auch schon von gestern gekannt. Aber auch die bösen Treppen. Ich hab wieder Angst reinzugehen, aber noch weniger will ich das Gefühl, wenn ichs nicht tue. Also ein Fuß vor den anderen geschoben und rein. Jubel, ich bin im Foyer. Auch noch erster Stock. Aber auch das klappt. Die Frau an der Kasse guckt etwas komisch, weil ich kein Wort sage. Wenigstens funktioniert meine Konditionierung und ich lächle sie gewinnbringend an. Das wirkt. Da ich meine eigene Stille gemerkt habe, kriege ich dann auch ein freundliches "Danke" heraus, als ich die Eintrittskarte bekomme. Rein in den Raum. Ein Platz gefunden, an dem ich was sehen kann und trotzdem nahe dem Ausgang bin. Mikros zeigen an, daß es ein moderiertes Gespräch ist. Ich atme auf und kann meiner Neugierde freien Lauf lassen. Geschafft!
Die Vorstellung war übrigens sehr interessant. Nicht absolut tiefgreifend, aber mit schönen Informationen. Außerdem kenne ich jetzt die Wissenschaftslektoren des Suhrkamp-Verlags und weiß, daß hauptsächlich von ihrer Entscheidung die Akzeptanz eines Manuskripts abhängt. Vielleicht habe ich ja mal eins für sie. ![]()
Ab nächstem Jahr gibt es eventuell monatliche Verleger-Gespräche. Ich glaube, dann sind die Treppen auch nicht mehr so hoch.
It's a long way to Tipp-er-ary... Sat, Sep 23. 2006
Seit ich mich entsinnen kann, sind
immer Geschichten in meinem Kopf herum gespukt. So viele, dass ich
nicht nur einmal davon bis spät wach gehalten und am nächsten
Morgen wieder geweckt wurde. Ich liebe Geschichten, phantastische
Bilder, Filme, die in den Zuschauern den Funken einer anderen Welt
neu entflammen. Ich liebe den Glanz in den Augen der Leute, Kindern
wie Erwachsenen, wenn dieser Funke – und sei es nur für eine
kurze Zeit - aufglüht. Er hat die Kraft, einen bitteren Tag zu
versüßen. Oder ganze Welten zu schaffen.
Was wäre also das Naheliegendste?
Schreiben. Filme machen. Theater spielen. Vielleicht malen? Das
klingt alles gut.
Warum tue ich es dann nicht? Nein, ich
habe kein Buch an dutzende Verlage geschickt und wurde nicht
angenommen. Ich habe auch nicht mein letztes Geld in einen Film
gesteckt, der ausgebuht wurde, und selbiges ist mir auch auf keiner
Bühne bisher passiert.
Im Gegenteil. Wenn ich etwas schreibe, gefällt es, zumindest meinen Freunden. Sie mögen meine Ideen und als ich letzt zum ersten Mal auf einer Bühne stand, waren die Zuschauer begeistert.
Was also hält mich auf? Ein paar einfache Tips:
- Die beste Methode, aus einer Quelle von Ideen einen Morast werden zu lassen, ist: Selbstsabotage. Es gibt kaum etwas Besseres. Man braucht dafür kein Geld - auch, wenn es hilft, möglichst viel davon auszugeben, um sich den Kopf dann mit materiellen Sorgen vollzuknallen. Man braucht auch keine Ratschläge guter Freunde; gut, die meisten sind entweder eh keine, oder sie können nicht nachempfinden, was in dem Kopf so alles vor sich geht, das könnte also doch helfen.
Aus dieser kleinen, feinen Substanz läßt sich nun mit ein paar Zutaten ein köstliches Rezept herstellen. Man nehme eben erwähnte Selbstsabotage; sie muß natürlich selbst schon gut abgeschmeckt sein und je länger sie ziehen konnte, desto besser. Dazu gebe man einen guten Schuß ADS und einen Vater mit wirklichen Problemen. Das Ganze abschmecken mit einer Würzsauce aus Soziophobie und psychosomatischen Folgeerscheinungen - wirklich! Ohne das ist das Gericht nur halb so viel wert! -, und vergessen Sie nicht eine Prise Selbsthaß, oh, das macht viel aus.
Je nach Bedarf dann entweder aufkochen und genießen oder auf kleiner Flamme lange köcheln lassen. Das Rezept ist ergiebig. Man kann sogar Reste einfrieren und immer wieder auftauen, meistens ohne den geringsten Geschmacksverlust.
Wenn das alles so fein säuberlich vor- und mit viel Hingabe zubereitet wurde, dann hat man gute Chancen, niemals auch nur eine Welt außerhalb der eigenen Mauern zu erschaffen. Nutzt man diese Chancen, landet man im günstigsten Fall in einer Klinik oder beim Sozialamt. Ach, das gibt es ja nicht mehr. Na, gut, ein Job mit ohnehin jeden Monat wechselndem Arbeitgeber ist vielleicht auch noch drin.
Wißt ihr was? Bullshit.
Nehmt den Topf und werft ihn gegen die nächste Wand.
Aber vorsicht. Nehmt die mit der Latexfarbe. Die Überreste sind so schon schwierig genug zu beseitigen.

